Author Archive | Oliver Heim

Abschied von Prof. Dr. Martin Bellermann

Wilstedt, den 21. Mai 2024

Guten Tag liebe Mitglieder, arteFakt-Freundinnen und -Freunde,

zwei Tage vor unserer diesjährigen Generalversammlung nehmen wir Abschied von Martin Bellermann, der für uns und mich mehr war als nur ein Mitglied des Aufsichtsrates in unserer Genossenschaft.

Zur Zeit meines Studiums an der TU Berlin, als wir nicht nur politisch rebellierten, sondern auch begannen, Alternativen in und außerhalb der Universität zu erproben, rückten für uns Studierende bei den Auseinandersetzungen um tarifliche Regelungen für Tutoren und studentische Hilfskräfte mit der ÖTV auch Gewerkschaften als Partner in den Blick. Hier lernte ich im Bildungszentrum der ÖTV in Wannsee erstmals Martin kennen, wo er ein gern gesehener Referent bei Bildungsveranstaltungen war. Zu dieser Zeit lehrte und forschte Martin – diplomierter, dann auch promovierter und habilitierter Politologe – als Professor für Sozialpolitik an der Evangelischen Fachhochschule Bochum (EFH).

Er war immer wieder gern in Berlin, wo er an der Freien Universität studiert hatte. Anschließend wirkte er als Lehrer an der Schule für Erwachsenenbildung, und zu Beginn meiner Studienzeit arbeitete er noch als wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität, bevor er die Professur an die EFH übernahm. Dort widmete er sich forschend und lehrend der sozialwissenschaftlichen Politikforschung. Themen waren unter anderem die Zukunft der Sozialpolitik und ein soziales Europa. Er engagierte sich in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit der ÖTV (später Verdi) gemäß dem Leitsatz „Mehr Demokratie wagen“. Seine ruhige, stehts vorwärtsgerichtete und ermutigende Art, den Dingen auf den Grund zu gehen und auf ein praktisches gesellschaftliches Handeln hinzuführen, machte ihn zu einem der beliebtesten Lehrenden an der Hochschule. Dies sicher auch, weil er mit seinem Engagement als Dekan und im Akademischen Senat sehr authentisch das verkörperte, was er lehrte.

Erst nach meinem Weggang aus Berlin nach Wilstedt entwickelte sich eine nähere Bekanntschaft und dann auch Freundschaft zwischen uns. Aus unseren Tagen an der Universität hatten wir einen gemeinsamen Freund, der in Berlin in einer viel zu großen Wohnung wohnte. Wir waren beide nicht nur beruflich gern in Berlin und trafen uns daher oft in dieser „Herberge“. Es entspann sich damit eine Zeit schöner und wertvoller Gespräche und des intensiven Gedankenaustausches über die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zeit, die ich u.a. mit der Form der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft auf praktische Weise aufnehmen wollte. So war Martin einer der frühen Mitgestalter von arteFakt.

Es verband uns aber nicht nur das Gesellschaftspolitische. Martin liebte den mediterranen Süden und hier besonders in Umbrien den Trasimenischen See. Damit waren auch Oliven und die Situation der Oliviers oft ein Thema unserer Gespräche.

Als ich dann für den anstehenden Generationenwechsel bei arteFakt ein stimmiges und tragfähiges Modell für die Unternehmensform suchte – um damit das grundlegende Konzept von arteFakt „zukunftsfähig“ zu machen, war Martin dann erneut ein wichtiger Impulsgeber und Förderer der Genossenschaftsidee. Als langjährigem Gewerkschaftsmitglied lag mir diese Organisationsform nicht fern. Ich wollte bei der inhaltlichen Ausgestaltung, dass das bisherige gemeinschaftlich-kulturelle und soziale Engagement auch die Genossenschaft formen sollte, dies nicht zuletzt mit dem Gedanken an die Arbeitnehmer*innen. Mich hat es sehr gefreut, dass Martin dann den Schritt zur Gründung der Genossenschaft und in den Aufsichtsrat mitgegangen ist.

Wir sind traurig, dass er nun von uns gegangen ist. Wie gern hätten wir ihn noch lange bei uns gehabt. Er wird, nicht nur in Gedanken, sondern auch mit seinen Spuren, die sich heute in der Satzung der Genossenschaft finden, bei uns bleiben.

Danke für die Freundschaft auf dem gemeinsamen Weg.

Unser Mitgefühlt gilt seiner Ehefrau Eva Bär-Bellermann und seinen Kindern Urs, Felix, Johannes und ihren Familien.

Mit traurigen Grüßen
Euer
Conrad Bölicke

Genossenschaft-Mitglieder-Rundbrief vom 23. Februar 2023

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Wilstedt, 26. Feb. 2023

Guten Tag liebe Mitglieder,

wir wünschen Ihnen allen, dass Sie gesund und mit frischen Kräften weiterhin dabei sind und das Jahr für Sie einen erfreulichen Verlauf nehmen wird, mit möglichst nur positiven Erlebnissen und freudigen Überraschungen.

Vor dem Hintergrund der multiplen Krisen, die uns begleiten, wird es allerdings erneut ein Jahr bleibender Unsicherheiten werden, die auch uns weiterhin herausfordern. Mit der doppelten Kraft unseres über die Jahre bewährten Konzepts der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft und der jungen Gemeinschaft als Genossenschaft bleiben wir optimistisch und zuversichtlich, auch dafür tragfähige und nachhaltige Antworten zu finden.

Nach der ersten Generalversammlung im letzten Jahr, die im Rahmen der Olivenöl-Abholtage in Wilstedt stattfand, gab es vielfach den Wunsch für mehr Zeit, in der sich die Mitglieder untereinander kennenlernen und austauschen können. Weitere Wünsche waren mehr Unterkünfte im Nahbereich der Veranstaltung sowie bessere Erreichbarkeit des Tagungsortes, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Beides ist im Rahmen der Olivenöl-Abholtage in unserem etwas abseits gelegenen Wilstedt nicht zu erreichen.

Mit der Verlagerung der Generalversammlung, in Verbindung mit einem Genossenschaftstag in eine größere Stadt, haben wir die Idee aufgegriffen und eine Umfrage unter den Mitgliedern im weitläufigen Umland von Karlsruhe durchgeführt. Die Idee wurde zwar positiv aufgenommen, es ist uns aber leider nicht gelungen, geeignete und bezahlbare Räumlichkeiten vor Ort zu finden, so dass wir uns stattdessen für Hamburg entschieden haben.
In der alten Gleishalle im Oberhafen, direkt neben der Markthalle mit dem Restaurant „Hobenköök“, dass unser Mitglied Thomas Sampl betreibt, werden wir tagen. Vom Hamburger Hauptbahnhof ist sie fußläufig nur wenige Minuten entfernt, und auch Hotels verschiedener Preisklassen sind in direkter Nähe hinreichend vorhanden.

Bitte vormerken:
Generalversammlung am Samstag, den 25. März in Hamburg

Erstmals werden wir die Generalversammlung in hybrider Form durchführen, das heißt: Statt der persönlichen Teilnahme vor Ort können Sie auch digital teilnehmen, sich dabei zu Wort melden und mit abstimmen. Detaillierte Informationen hierzu erhalten Sie am 4. März mit der offiziellen Einladung und dem Tagesprogramm.

Die Generalversammlung findet in der Zeit von 14 – 18 Uhr im Rahmen des Genossenschaftstages statt, der um 12.00 Uhr beginnt und nach 18.00 Uhr in einen „gemütlichen Teil zum Kennenlernen“ übergeht. Der Genossenschaftstag wird für alle Freunde und Interessierte offen sein, die als Gäste gerne auch an der Generalversammlung teilnehmen können.

Ob persönlich oder digital – wir freuen uns, Sie wiederzusehen …
mit herzlichen und genossenschaftlichen Grüßen
Ihr

Conrad Bölicke und das arteFakt-Team

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Die Olivenölkampagne 2023 startet am 5. März mit einem Newsletter, die postalische Zusendung der „Auskünfte“ beginnt ab dem 14. März. Die Olivenöl-Abholtage mit allen Oliviers in Wilstedt finden am 6. und 7. Mai statt.

 

Genossenschaft-Mitglieder-Rundbrief vom 22. August 2022

Wilstedt, 22. August 2022

 Guten Tag liebe Mitglieder,

die Zuspitzung mehrerer Krisen zugleich bringt etliche unserer gewohnten „Selbstverständlichkeiten“ ins Wanken. Hinzu kommt ja, dass wir die Krisengeschehnisse nicht, wie in den letzten Jahrzehnten, nur in der Ferne wahrnehmen sondern auch vor unserer Haustür erleben. In den Medien sind es die beherrschenden Themen, und auch im Urlaub kommt man an den Bildern und Nachrichten vom Klimawandel, dem Kriegsgeschehen, den Versorgungsunsicherheiten und den finanziellen Entwicklungen nicht vorbei.

In Folge der Verunsicherungen durch diese Gemengelage reagieren viele jetzt mit Einschränkungen ihres Konsums, bei Lebensmitteln überproportional hoch im Segment der Bio- und Qualitätsprodukte des alltäglichen Bedarfs. Auch wenn wir unsere Preise nicht erhöht haben macht sich das auch bei uns stärker bemerkbar als erwartet bzw. erhofft. Wir sehen uns damit vor Herausforderungen gestellt, wie wir sie seit der Gründung von arteFakt noch nicht bestehen mussten. Unsere Genossenschaft betrachte ich in dieser Entwicklung nicht als gefährdet, im Gegenteil werden es gerade die Kraft und der Ideenreichtum der Gemeinschaft sein, die uns durch die absehbar längere Zeit der Unsicherheit bringen werden. Das wird sich aber nicht von alleine ergeben und nicht ohne Experimente für Neues und für Veränderungen vonstatten gehen. Vor allem werden wir die Anstrengungen, die nötig werden, nicht einfach nur als Dienstleistungen des Vorstandes und der Mitarbeiter*innen für die Mitglieder anbieten können. Wir werden vielmehr gemeinsam handeln und uns zu einer aktiven Gemeinschaft auch unter uns als Mitgliedern entwickeln müssen, wo wir bisher überwiegend individuell und solidarisch nur gegenüber den Produzenten waren.

Im letzten offenen Mitgliederrundbrief und Newsletter haben wir die Debatte für erste Ansätze und neue Ideen eröffnet, an denen sich alle auf unserer offenen Mitgliederseite hier im Genossenschaftsbereich beteiligen können. Im September wird Dieter Bensmann zum ersten digitalen Treffen einladen, um gemeinsam die eingegangenen Vorschläge zu sortieren und so zu konkretisieren, dass ihre Umsetzung in Angriff genommen werden kann.

Kann ich als Mitglied schon jetzt etwas unterstützend tun?

Beim Olivenöl haben wir es mit einem zwar haltbaren aber vergänglichen Lebensmittel zu tun, und wie sich die aktuelle Entwicklung darstellt, werden wir wohl in der diesjährigen Kampagne mehr Olivenöl zur Verfügung haben, als aus den genannten Gründen abgerufen werden wird. Sie könnten schauen, ob ihre Vorräte noch bis zum März 2023 reichen werden und ob Sie sie gegebenenfalls jetzt schon auffüllen möchten. Einen Einkauf aus Solidarität über den wirklichen eigenen Bedarf hinaus zu tätigen, wäre allerdings kein guter Ansatz. Es würde das Problem nur verschieben und Sie würden sich die Freude des Olivenöls der neuen Ernte im April 2023 nehmen. Suchen Sie Freunde und Bekannte in ihrem Umkreis für unsere Olivenöle zu gewinnen, gern auch zunächst mit einer Bestellung über Sie mit Ihrem Vorteil des Genossenschaftsrabatts von 5%.

Wenn auch Sie auf die beschriebene Situation mit einer Konsumzurückhaltung bei unseren Olivenölen reagieren, würden wir gern von Ihnen hören. Vielleicht schildern Sie uns Ihre Situation, aus der sich dann Ansätze für Lösungen ergeben könnten.

Eine zivilgesellschaftliche Idee zur Gerechtigkeitsverteilung

Über die Verteilungsstruktur der aktuellen Entlastungshilfen der Bundesregierung ärgere ich mich, weil sie unabhängig vom Einkommen in gleicher Höhe ausgezahlt werden. Warum erhalte ich mit meinem gehobenen mittelständischen Einkommen den gleichen Betrag wie nebenher jobbende Studierende oder eine alleinerziehende Mutter mit einer Halbtagsstelle? Warum bekomme ich in meiner Situation überhaupt eine Entlastungshilfe, wo für relevante Kreise in unserer Gesellschaft diese Hilfe keine wirkliche Entlastung ihrer Situation bedeuten wird? Darüber debattiere ich jetzt häufig mit Freunden und auch Besucher*innen in unserem Hofladen und viele sehen es ähnlich. Letzte Woche sagte ein Besucher dabei dann trocken: „Na, dann geben sie die 300 Euro Energiepreispauschale, die im September ausgezahlt werden wird, doch einfach wieder zurück.“

Einige Tage hat es in meinem Kopf rumort. Dann hat sich folgende Idee daraus entwickelt: Bei den Projekten, die wir derzeit mit den Oliviers zur Verbesserung der Böden, ihrer Wasserspeicherfähigkeit und einer insgesamt gesteigerten Resilienz gegen den Klimawandel vorbereiten, werden wir nur das Mikroklima beeinflussen können, mittelfristig wohl auch regionale Klimata, nicht aber das Weltklima insgesamt. Vergleichbares gilt auch für unsere Einflussmöglichkeiten auf die jetzigen politischen und wirtschaftlichen Zuspitzungen. Auch hier kann unser Handeln zunächst nur auf das Mikroklima einwirken, einem solidarischen Zusammenhalt unter uns.

An wen könnte ich also die jetzigen 300 Euro Energiepreispauschale, die ich eigentlich nicht benötige, zurückgeben bzw. weiterleiten? Studierende in Nachhaltigkeitsstudiengängen fallen mir ein. Ihre Fachkenntnisse und ihr gesellschaftliches Engagement werden wir und unsere Kinder dringend benötigen. In Anknüpfung an meine obigen Ausführungen würde ich es dann als Zuwendung in Form von ein bis zwei Litern nachhaltig erzeugten und zu fairen Preisen angebotenen Olivenöls aus unserem Portfolio weitergeben. Eine kleine Unterstützung für ihre Haushaltsführung mit einer Qualität, die sie gerade studieren, sich meistens aber selbst noch nicht leisten können.

Wenn mir nur 1% der arteFakt-Freunde dabei folgen, könnte diese Beihilfe bis zu 3.000 Studierende erreichen. Ausgewählt sollten sie von Institutionen ihrer Fachrichtung an Fachhochschulen und Universitäten werden, zu denen wir bereits entsprechende Kontakte pflegen oder gerade aufbauen. Zugleich würden wir sie dadurch mit unserer Genossenschaft und den Nachhaltigkeitsprojekten mit unseren Oliviers bekannt machen können. Sicher werden sich etliche von ihnen auf die eine oder andere Weise für das gespendete Olivenöl bedanken wollen. Das könnte die Zusendung des Rezeptes ihrer ersten Speisezubereitung mit dem Olivenöl sein oder die Unterstützung unserer Projekte, auch als Studienarbeit, einem Praktikum oder einer Bachelor- oder Masterarbeit, diese dann aber aus anderen Mitteln auch vergütet.

Ich werfe meine 300 Euro Energiepreispauschale also mal in den Ring und schlage eine Crowdfunding-Kampagne dazu vor. Wenn mir 50 Mitglieder der Genossenschaft, was nur 5% wären, dabei folgen würden, würde ich die Kampagne durchdeklinieren, sie allen arteFakt-Freunden vorstellen und sie gleich im September starten.

Schreiben Sie mir, was Sie davon halten, was Sie empfehlen würden und ob Sie sich eine Beteiligung vorstellen könnten. Die 300 Euro Energiepreispauschale ist der Bruttobetrag, selbstverständlich wäre die Beteiligung daher als Nettobetrag individuell variabel.
Schreiben sie per Email unter der Adresse genossenschaft@artefakt.eu.


Mit genossenschaftlichen Grüßen
Ihr
Conrad Bölicke (Vorstand)