
Guten Tag, liebe Mitglieder,
seit längerer Zeit schon führen die Verbrauchermagazine „Stiftung Warentest“ und „Öko-Test“ einen jährlichen Olivenöltest durch, dessen Ergebnisse dann über einige Wochen in allen Printmedien und digitalen Kanälen Aufmerksamkeit erlangen. Der Olivenöl-Test der „Stiftung Warentest“ liegt wenige Wochen zurück, und der Test von Öko-Test ist in der gerade erschienenem Magazinausgabe veröffentlicht. Der Aufmacher bei „Stiftung Warentest“ war „Olivenöl – die Qualität sinkt erneut. Welche Anbieter dem Trend trotzen. – Der Hauptverlierer heißt Aldi“ und jetzt bei Öko-Test „Olivenöl in der Krise und Aldi der Testsieger“. Unabhängig von diesen medienwirksamen Aufmachern lohnt der Kauf dieser Öko-Test Ausgabe für Liebhaber*innen von Olivenöl, auch wenn sie es nicht in Discountern oder Supermärkten einkaufen. Die Redaktion hat rund um den Test gut recherchiert und einen der fundiertesten Berichte der letzten Zeit über die aktuelle Situation des Olivenanbaus verfasst. Zu den dafür befragten Expert*innen zählten auch wir von arteFakt mit Christoph Sippel und Conrad Bölicke.
Wir nehmen die aktuellen Olivenöl-Tests der beiden Magazine zum Anlass, um noch ein wenig weiter hinter die Kulissen und die veröffentlichten Schlagzeilen zu schauen. Es erwarten sie hier Informationen, die auch in die Tiefe gehen und daher ein wenig Zeit zum Lesen abfordern – was heute in der digitalen Welt oft nicht mehr angesagt ist. So wünschen wir Ihnen trotzdem oder vielleicht auch deshalb einige Freude und neue Erkenntnisse beim Lesen.
Ihr Christoph Sippel und Conrad Bölicke
Wie wählen die Magazine ihre Test-Olivenöle aus?
Für die Untersuchung kaufen beide Magazine anonym die zum Test ausgewählten Olivenöle nur in den Geschäften der großen Handelsketten der Discounter und Supermärkte ein. Das ist ein Grund, weshalb unsere Olivenöle, wie auch die Olivenöle anderer kleiner Anbieter, die nicht in diesen Marktsegmenten vertreten sind, nicht ausgewählt werden.
Mit den Olivenöltests erlangen beide Magazine eine überdurchschnittliche Aufmerksamkeit in den Medien und damit auch bei den Verbraucher*innen und stehen damit immer auch in einem gegenseitigen Wettbewerb. Die „Stiftung Warentest“ finanziert sich überwiegend aus öffentlichen Zuschüssen, und „Öko-Test“ muss alles Geld selbst erwirtschaften. Ihr Fokus für die zum Testen ausgewählten Produkte liegt aus diesen Gründen dort, wo die Mehrheit der Deutschen ihre täglichen Einkäufe tätigt, und das sind eben die großen Handelsketten. Diese Begrenzung der Auswahl ist nicht nur schlecht, sondern auch im Interesse der Verbraucher*innen, weil sie etwas über die Qualität der Massenprodukte erfahren, die sie dort kaufen können.
Welche Prüfkriterien legen sie für ihre Tests fest?
Beide Magazine sind unabhängige Verbrauchermedien und geben sich auch eigene Qualitätsmaßstäbe für ihre Bewertungen, bei denen sie oft über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehen. Die damit erlangte Akzeptanz bei Verbraucher*innen verleiht ihnen mit ihrer Medienpräsens eine mächtige Stimme zum Schutz der Verbraucher*innen, wie es sie so in keinem anderen Land der EU gibt. Es führt dazu, dass getestete Produkte, die den gesetzlichen Mindeststandards genügen, aber nicht den Kriterien der Magazine, nach den Tests in den Handelsketten kaum mehr verkäuflich sind und häufig aus den Regalen genommen werden. Umgekehrt erlangen Produkte die „Testsieger“ werden eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage. Beides führt zu einer größeren Aufmerksamkeit der Handelsketten auf die Qualität ihrer angebotenen Produkte, wobei es hier nicht um die höchste Qualität geht, wie wir das für unsere Produkte formulieren. Es sind überwiegend Massenartikel aus dem Handel, die aus einer lebensmittelindustriellen Mengenherstellung stammen, für die die Qualität in den Tests untersucht wird. Für Olivenöl können wir das aus den Kenntnissen unserer Arbeit gut beurteilen. Hier können wir feststellen, dass es in keinem anderen Land der EU eine vergleichbar hohe Qualität der angebotenen Massenolivenöle gibt wie in Deutschland, was den jährlichen Olivenöl-Tests der beiden Magazine zu verdanken ist. Alle Olivenöl-Grossisten konzentrieren ihre besten eingekauften Chargen zum Verkauf auf dem deutschen Markt an die großen Handelsgesellschaften, damit diese bei den Tests nicht durchfallen. Hauptakteure sind hierbei Aldi, Lidl, REWE und EDEKA, die sich im direkten Wettbewerb darum sehen, de Testsieger zu stellen.
Es gibt auch Schwächen der Tests, deshalb muss man genau hinsehen
- Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl
Eine erste Schwäche haben wir eingangs schon erwähnt, es ist die undifferenzierte Verwendung des Begriffs der Nativen Olivenöle Extra. Es werden bei der massenhaften Etikettierung mit dieser Bezeichnung „Äpfel mit Birnen“ verglichen, also Massenolivenöle undefinierter Herkunft (Angabe „Mischung von Olivenölen aus Europäischen Union“, häufig ohne Angabe des Erntejahrs), mit sortenreinen Olivenölen, bei denen Herkunft und Erntejahr angegeben sind. Beim Wein hieße das, Kochweine und Auslese-Prädikatweine in Winzerqualität in einer gemeinsamen Kategorie miteinander zu vergleichen. Öko-Test hat jetzt erstmals sehr deutlich darauf hingewiesen, dass ihre Tests nur eine Gültigkeit für im Handel angebotene Massenprodukte haben.
- Testsieger zu sein, heißt nicht zwangsläufig, gute Qualität zu besitzen
Es gilt näher hinzuschauen, was Testsieger jeweils in der Bewertung erreicht haben. Mit der Schlagzeile vom Testsieger wird der Eindruck erweckt, es handele sich um das beste Produkt. Gerade in den letzten Jahren erlangten Testsieger mit der Note „befriedigend“ nur eine durchschnittliche Bewertung im Testergebnis – hatten damit aber die beste Bewertung unter den verglichenen Produkten. Die Note „gut“ oder „sehr gut“ erlangte keines der getesteten Produkte. Daher hätte die Schlagzeile auch viel stärker relativieren können, was dann erst in den textlichen Ausführungen erfolgte.
- Warum Jahrgangs- und Haltbarkeitsangabe wichtig sind
Olivenöl hat zwar eine gute, aber keine unbegrenzte Haltbarkeit. Der hohe Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren und oxidationshemmender Biophenole macht Olivenöl – im Unterschied zu Samenölen – ohne Aufbewahrung im Kühlschrank für viele Monate haltbar. Wichtig ist dabei eine Aufbewahrung in UV-beständigen Gebinden und bei durchschnittlichen Temperaturen von nicht über 20°C, besser noch bei 16°C.
Die Grundvoraussetzung ist dabei jedoch, dass das Olivenöl nach strengen Regeln und sauber hergestellt wurde. Gerade das ist aber bei den Partien, aus denen das Massenolivenöl hergestellt wird, nur selten der Fall. Das wird durch zahlreiche Fehler verursacht:
bei der Ernte durch
- eine zu späte Ernte mit zu reifen Oliven,
- eine zu lange und unsachgemäße Lagerung der Oliven vor der Extraktion in der Olivenmühle;
in der Olivenmühle durch:
- mangelnde Sauberkeit in der Mühle,
- ungenügenden Wechsel des Waschwassers für die Oliven,
- unzureichende Wartung und Erneuerung der Mühlenwerkzeuge (abgeschliffene und stumpfe Werkzeuge verändern die Physik in der Mühle und führen beim Zerkleinern der Oliven zu starker Erhitzung, wodurch die Biophenole oxidieren, das Olivenöl schmeckt dann gallig bitter),
- Befüllen der Mühle mit einem zu schnell laufenden Fließband und daher mit zu vielen Oliven in der Zerkleinerungsmühle (dadurch werden die Werkzeuge blockiert, weshalb die Oliven dann nicht zertrümmert, sondern zerquetscht werden, was eine Reibungshitze erzeugt und die eben erwähnte Oxidation befördert),
- zu lang andauerndes Rühren der Olivenmaische im Malaxeur, womöglich auch noch durch ein Erhitzen der Maische (Es werden dann Oliven, die eingangs noch gut waren, schnell einer Alterung unterworfen und damit wird auch das gewonnene „frisch gepresste“ Olivenöl alt),
- hohe Temperaturen in den beiden Zentrifugen zum Trennen von Feststoffen, Wasser und Olivenöl und der Reinigung des Olivenöls (sie entstehen durch ausgebliebene Wartung und lassen das Olivenöl weiter altern, indem die temperaturempfindlichen sekundären Pflanzenstoffe und Aromen abgebaut werden),
- schließlich die Lagerung des ungefilterten Olivenöls (durch die Filterung des Olivenöls werden die noch enthaltenen Enzyme weitgehend entfernt, deren natürliche Aufgabe die des Zerstörens ist, damit der Keimling aus dem Kern befreit wird; bleiben sie im Olivenöl, altert es rasch).
Alle diese ungünstigen Faktoren finden sich noch mehrheitlich im Alltag der Produktion von Olivenöl, unabhängig von den einzelnen mediterranen Ländern und ihrer Regionen. Somit werden auch mehrheitlich Olivenölchargen von minderer Qualität angeboten, die dann auf den Markt gelangen.
Die Vermarkter versuchen die gesetzlichen Mindeststandards der Qualität zu erreichen, indem sie halbwegs gute mit weniger guten Partien mischen. Die so entstehenden Olivenöle werden dann mit „… aus EU-Anbauländern“ ausgewiesen. Mit den sich häufenden, meistens klimabedingten Ernteausfällen ist proportional das Angebot an guten Partien deutlich geringer geworden, was zu einer Verschlechterung der Massenprodukte im deutschen Handel geführt hat und führt. Das spiegelt sich in den Testergebnissen wider. Um einen Ausweg zu finden, gehen Hersteller dazu über, die Haltbarkeitszeiten ihrer Olivenöle deutlich zu verkürzen. Werden sie in den Verkauf gebracht, erfüllen sie mit einem noch geringen Spielraum der Ablaufzeit die gesetzlichen Mindeststandards. Werden sie dann im Handel nicht sachgemäß aufbewahrt, erreichen sie die ausgewiesene Qualität nicht bis zum Ende der Mindesthaltbarkeit. Einige der getesteten und abgewerteten Olivenöle werden in diese Kategorie gefallen sein.
Ein gutes Olivenöl hat bei fachlich guter Herstellung, früher Filterung und sachgemäßer Lagerung eine Haltbarkeit im ungeöffneten Gebinde von bis zu 18 Monaten. In geöffneten Gebinden sollte das Olivenöl in ca. 6 Monaten verbraucht werden, weil beim Entnehmen Sauerstoff in das Gebinde nachströmt, der die Alterung beeinflusst. Wir hatten uns daher früh für die Einführung der 3- und 5-Liter Bag in Box-Behälter entschieden, weil sich der PE-Sack darin beim Entnehmen des Olivenöls zusammenzieht und kein Sauerstoff nachströmt. Das Olivenöl lagert dadurch im Vakuum, frei von Sauerstoff.
- Belastung von Olivenöl mit Pestiziden
Hier geben die Tests regelmäßig die Wirklichkeit der vorherrschenden Olivenlandwirtschaft wieder, die wie in anderen Landwirtschaftszweigen auch überwiegend konventionell betrieben wird. Daher kommt ein Portfolio an chemischen Hilfsstoffen zum Einsatz, die in den Tests dann gemessen werden. Unsere Oliviers haben sich auf einen kontrolliert biologischen Anbau umgestellt oder befinden sich auf dem Weg der Umstellung. Die von uns veröffentlichten Labortests zeigen für jedes Olivenöl auf, dass sie frei von diesen Stoffen sind.
Auch andere chemische Stoffe aus der Verarbeitung und Verpackung, wie z.B. Weichmacher, sind keine Überraschung. Überraschend ist aber, dass jetzt häufiger davon auch zertifizierte Bio-Produkte erfasst werden. Die großen Bio-Vermarkter von Olivenölen könnten hier die gleichen Probleme wie ihre konventionellen Mitbewerber haben, dass sie mit der drastischen Reduzierung der Produktion durch die Ernteausfälle und weitere klimatischen Einflüsse eine geringere Auswahl der Qualität bei den verfügbaren Chargen haben, die sie einkaufen. Die bei Öko-Test untersuchten Olivenöle waren in diesem Jahr so hoch wie lange nicht mehr mit Pestiziden belastetet. Auch dies ist ein Indiz für die klimatischen Veränderungen im Mittelmeerraum, weil mit einem hohen Mitteleinsatz versucht wird, die Ertragsausfälle zu kompensieren.
Die Belastung mit Weichmachern war 2005 ein beherrschendes Thema bei Olivenöl. Es ist durch den Austausch der Plastik-Verbindungsschläuche in den Mühlen und dem Auswechseln der Dichtungen und Verschlüsse eigentlich ein historisches Thema. Dass bei dem jetzigen Test wieder Belastungen aufgetaucht sind, könnte auf die Mischung mit Olivenölen aus Nicht-EU-Ländern zurückzuführen sein, z.B. aus der Türkei und Tunesien, die diese Standards noch nicht unbedingt haben.
- MOSH/ POSH – MOAH – Mineralöle in Olivenölen
Dies ist ein Thema, dass vor einigen Jahren durch die Olivenöltests der Magazine entdeckt wurde und die Branche noch lange begleiten wird. MOSH/ POSH, das sind mineralölhaltige Stoffe mit kurzkettigen und langkettigen Kohlen-Wasserstoffverbindungen, was z.B. Paraffine sein können, die als Trägerstoffe für chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, auch im Biobereich, oder zum Imprägnieren von Gewebe zum Schutz gegen Feuchtigkeit, z.B. die Erntenetze der Oliven oder Säcke, in denen sie noch oft gesammelt werden.
MOAH bezeichnet die Fraktion aromatischer Mineralölkohlenwasserstoffe. Diese Stoffgruppe ist lebensmittelrechtlich und toxikologisch besonders relevant, da sie Verbindungen enthalten kann, für die genotoxische und kanzerogene Eigenschaften nicht ausgeschlossen werden können. Diese Fraktion umfasst die Gruppe der Schmierstoffe oder Öle, die für Maschinen eingesetzt werden. MOAH erscheint deswegen problematischer als MOSH-POSH. Bei MOSH-POSH gehen die Studien nicht von diesen Eigenschaften aus und stufen sie daher als weniger risikobehaftet ein. Generell gilt allerdings, dass Mineralöle nicht in Lebensmittel gehören.
Da es für diese Stoffe noch keine gesetzlichen EU-Grenzwerte gibt, war es wegen der publizierten Befunde in den beiden Verbraucherschutzmagazin zunächst erst ein weitgehend deutsches Thema. Es gewinnt nun jedoch europaweit an Relevanz. Das hat dazu geführt, dass der Lebensmittel-Bundesverband Deutschland (BfR) wie auch die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) empfohlene Richtwerte für das Vorkommen dieser Stoffe festgelegt haben, und es gibt weitere Initiativen, diese Richtwerte als EU-Grenzwerte durchzusetzen. Danach soll die Belastung von Olivenöl mit MOSH/POSH kleiner 13 mg/kg sein, bei MOAH kleiner als 2 mg/kg, was bislang als niedrigste technisch messbare Bestimmungsgröße gilt. „Kleiner als …“ bedeutet, dass Hersteller durch geeignete Maßnahmen bemüht sein müssen, diese Werte zu unterschreiten, es handelt sich also keineswegs um eine erlaubte Belastungsmenge.
Für den kürzlichen Olivenöltest der Stiftung Warentest galten noch diese Richtwerte in der Bewertung der getesteten Olivenöle. Bei Nichteinhaltung kam es zu entsprechenden Abwertungen in der Beurteilung. Jetzt hat die EU-Kommission Grenzwerte beschlossen, die aber immer noch in keiner Verordnung verankert sind und daher weiter als Empfehlungen gelten. Die Grenzwerte wurden gegenüber dem bisherigen Diskussionsstand aber deutlich heraufgesetzt und damit entschärft. Danach wird für MOSH/POSH jetzt eine Belastung mit kleiner als 30 mg/kg festgelegt und für MOAH kleiner als 10mg/kg. Dies obwohl die Analysemethoden jetzt verfeinert wurden, so dass Belastungen schon ab 0,5mg/kg gemessen werden können. Hier werden Lobbyisten kräftig mitgewirkt haben. Eine Begründung für die Erhöhung der Werte durch die EU-Kommission steht noch aus.
Bei dem jetzigen Olivenöltest von Öko-Test waren diese neuen Richtwerte nun die Grundlage in der Bewertung der Ergebnisse der Laboruntersuchungen. Schaut man sie sich an, weisen alle getesteten Olivenöle Mineralöle auf, aber nur noch in „Spuren“. Zu Abwertungen hat es nicht mehr geführt. Im Dunkeln bleibt dabei welche, der Olivenöle in die Kategorie der vorherigen niedrigen Orientierungswerte gefallen wären und welche diese überschritten haben und damit von den neuen Richtwerten profitieren.
- Es geht auch anders, braucht dazu aber eine andere Einstellung zu den Dingen
Mit arteFakt zeigen wir, dass es auch anders geht, und veröffentlichen im Internet traditionell nicht nur das vollständige und umfangreiche Analyseprotokoll des mit den Untersuchungen beauftragen Lebensmittellabors EUROFINS in Hamburg, sondern gesondert jetzt auch das Analyseprotokoll einer möglichen Mineralölbelastung. Fast allen unserer Oliviers gelingt eine mineralölfreie Herstellung ihrer Olivenöle. Bei wenigen findet sich noch eine wirklich nur in Spuren nachweisbaren Belastung. Die Befunde liegen dann weit unterhalb der vormals geltenden und empfohlenen Orientierungswerte. Mit dieser Offenlegung und Transparenz bleiben wir mit arteFakt immer noch allein unter den Mitbewerbern.
Unseren Oliviers erreichen diese besondere Reinheit mit einer facettenreichen Anwendung und Einhaltung kompromissloser Qualitätsstandards und ihrem über die Jahre in der arteFakt Gemeinschaft entwickeltem Fachwissen über die Olive und der biochemischen Prozesse bei ihrer Verarbeitung. Die Ergebnisse ihrer Arbeit überprüfen sie mit uns gemeinsam und regelmäßig, um frühzeitig Probleme zu erkennen und notwendige Korrekturen oder auch Veränderungen vorzunehmen. Das alles erfordert einen höheren Einsatz und ist nicht billig. Durch den gemeinschaftlichen Ansatz der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft können wir das aber in einem günstigen Kostenrahmen halten. Bezogen auf die Qualität und Besonderheit unserer Terroir-Olivenöle bewegen sie sich im Vergleich zu vielen der Massen-Olivenöle im Handel in einer anderen Liga, sind aber im Preis gar nicht so weit von ihnen entfernt und damit eigentlich zu günstig, wie es Olivenölexperten uns gegenüber oft anmerken.
- Was macht es so schwierig, aus der Mineralölverwendung auszusteigen?
Die erste Schwierigkeit ist, dass der Einsatz von Mineralölprodukten in Lebensmitteln gesetzlich nicht grundsätzlich verboten ist oder gesetzlichen Grenzwerten unterliegt. Es gibt daher keine Deklarationspflicht der Hersteller für ihre Produkte. So ist es für die Käufer*innen oder Verwender*innen zunächst gar nicht sichtbar, in welchen der vielen Produkte, die uns in dem heutigen fossilen Zeitalter im täglichen Leben umgeben, Mineralöle enthalten sind. Auch wir standen anfänglich vor dieser Problematik und mussten mit unseren Oliviers zunächst wie Detektive gemeinsam auf die Suche gehen. In der Mühle hatten wir es zunächst mit allen technischen Teilen von Maschinen zu tun, die sich im Arbeitsprozess bewegen und daher „geölt oder geschmiert“ werden müssen. Die Mineralöle wurden konsequent durch synthetische Öle und Schmierstoffe ersetzt, die zwar teuer sind, im Mühlenprozess aber in nur in geringem Volumen benötigt werden. Die mit Paraffin imprägnierten Erntenetze wurden fettlöslich gewaschen oder durch nicht imprägnierte ausgetauscht.
Den größten Eintrag verursachen jedoch die großen technischen Ernterüttler. Sie stellen für viele der Olivenanbauer ein Dilemma dar. Der Ernterüttler wird vor einen Traktor montiert, der an den Baum heranfährt und mit einem Gelenksystem einen großen umgekehrten „Regenschirm“ unter dem Baum aufspannt. Die Gelenke sind dabei ordentlich mit Schmierfetten bestrichen, damit sie geschmeidig funktionieren. Dann umschließen zwei Backen den Baum, die dann mittels einer Hydraulik den Baum so kräftig vibrieren lassen, dass die Oliven von den Ästen abgeschüttelt werden. Viele von ihnen fallen an den Gelenken vorbei in den Regenschirm und benetzen sich dabei mit dem Schmierfett, was zur Belastung mit MOAH führt. Die Rüttler sind nicht billig und werden daher lange Jahre benutzt, so dass etliche der Dichtungen des Hydrauliksystem nicht mehr fest schließen. Immer, wenn die Anlage den Pressdruck zum Rütteln startet, dampft dann durch diese Dichtungen Öl ins Freie und benetzt die herunterfallenden Oliven. Das Waschen der Oliven in der Olivenmühle vor dem Schreddern in der Hammer- oder Messermühle zur Olivenmaische nützt hierbei nichts, das kalte Waschwasser nimmt nur die Schmutzpartikel weg, aber nicht den Ölfilm. Eine Rüttelanlage benötigt für ihren Betrieb bis zu 300 Liter Mineralöl. Theoretisch ließe es sich durch ein synthetisches Hydrauliköl ersetzen, bei Preisen von über einhundert Euro pro Liter wird das eine Utopie bleiben. Viele Olivenlandwirte können aber auf den Einsatz der Rüttler nicht verzichten, sie haben sie aus Mangel an Arbeitskräften angeschafft oder weil sie die teuer gewordenen Arbeitskräfte mit dem Verkauf ihres Olivenöls gar nicht bezahlen können. Auch wenn Olivenöle jetzt teurer geworden sind, kommt nur der kleinere Teil der Einnahmen wirklich bei den Olivenlandwirten an. Der überwiegende Teil der Olivenlandwirte arbeitet heute nur noch im Nebenerwerb. Sie geben ihre Oliven an die Mühlen ab, die das daraus gewonnene Olivenöl in großen Tanks sammeln und Einkäufern zu Preisen abgeben, die von den großen Konzernen vorgegeben werden. In den daraus entstehenden Mischungen in den Tanks können schon kleinere, mit Mineralöl belastete Partien den ganzen Tank kontaminieren, was durch Augenschein beim Befüllen nicht erkennbar ist. So wandert Mineralöl in die vielen Massenolivenöle, die deklariert sind als „… aus EU-Anbauländern“, folglich in Supermärkte und zu Discountern.
- Fazit der langen und detaillierten ausführlichen Ausführungen
In unserer Erzeuger-Verbrauchergemeinschaft sind wir einen langen, oft mutigen, aber auch mühsamen Weg der Erneuerungen gegangen, und das immer in solidarischer Weise und mit viel Freude, es in praktisch gelebter Gemeinschaft zu tun. Das hat uns über die nationalen Grenzen hinweg kulturell, fachlich und ökonomisch zueinander und weit nach vorn gebracht und beschert uns lange schon eine Auswahl bester Terroir-Olivenöle. Die Ergebnisse der Olivenöltests der beiden Verbrauchermagazine zeigen uns jährlich, wo wir mit unseren Olivenölen stehen und bestärken uns in unserem Tun. Unsichtbar bleiben bei den Tests leider die vielen kleinen Landwirtschaftsfamilien, denen wir bei unseren Besuchen bei den Oliviers auch begegnen. Mit ihrer harten Arbeit füllen sie die Flaschen der Massenolivenöle und werden für ihre Oliven, die sie in die Mühle bringen, nicht ordentlich bezahlt. Es behindert sie oder macht es ihnen auch unmöglich, sich zu entwickeln und zu investieren, um sich damit auf die Höhe einer heute möglichen Qualität und damit einer besseren Bezahlung bringen zu können. Es hält sie damit auch in ihren Traditionen gefangen, was zu einem negativen Kreislauf führt, den wir mit arteFakt durchbrechen konnten. Wir konnten bei unseren Oliviers ihre Kinder motivieren, die Nachfolge ihrer Eltern anzutreten – es sind die Oliviers, mit denen wir heute zusammenarbeiten. Mit den Klimaeinflüssen und daraus folgenden häufigeren Ernteausfällen hat sich das frühere Überangebot an Olivenölen heute aufgelöst. Das Angebot deckt heute die Nachfrage nicht mehr. Weiterhin verstärkt sich die Knappheit immer häufiger auch dadurch, dass die älteren Landwirte ihre Bäume aus eigener Kraft nicht mehr abernten können und dass niemand ihre Nachfolge antreten möchte.
Schön, dass sie ein Mitglied unserer Genossenschaft sind und sich damit für eine bessere Zukunft einsetzen.
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In den letzten Tagen kam es zum Durchzug eines Wolkenfeldes, dass in wenigen Stunden immense Wassermassen abregnen ließ und zu Sturzbächen führte. Palma schaut sich hier die weggespülte Mauer und der Abbruchkante zum Nachbar-Olivenhain an, die hunderte von Jahren gehalten hatte und sie jetzt an einem Tag weggespült und eine Auswaschung des Bodens zu einem kleinen See mit einer Tiefe von einem Meter fünfzig hinterlassen hat. Das ist jetzt die Realität. Sehr lange und regenfreie Sommermonate und in der Winterzeit Regen zumeist nur als Wolkenbrüche. Hierauf müssen wir Antworten finden. Dank der Spendenbereitschaft für den 1 Euro-Klimataler stehen uns die Mittel für erste kleinere Versuchsprojekte zur Verfügung. Ebenso hilfreich ist dabei die Bereitschaft von Mitgliedern und arteFakt-Freunden aus dem Kundenkreis, diese Mittel in praktischer Arbeit vor Ort auch einzusetzen.