Mitglieder-Rundbrief Mai 2026

Guten Tag liebe Mitglieder,

seit längerer Zeit schon führen die Verbrauchermagazine „Stiftung Warentest“ und „Öko-Test“ einen jährlichen Olivenöltest durch, deren Ergebnisse dann über einige Wochen in allen Printmedien und digitalen Kanälen Aufmerksamkeit erlangen. Der Olivenöl-Test der „Stiftung Warentest“ liegt wenige Wochen zurück und der Test von Öko-Test ist in ihrer gerade erschienenem Magazinausgabe veröffentlicht. Der Aufmacher bei „Stiftung Warentest“ war „Olivenöl – die Qualität sinkt erneut. Welche Anbieter dem Trend trotzen. – Der Hauptverlierer heißt Aldi“ und jetzt bei Öko-Test „Olivenöl in der Krise und Aldi der Testsieger“. Unabhängig von diesen medienwirksamen Aufmachern lohnt der Kauf dieser Öko-Test Ausgabe für Liebhaber*innen von Olivenöl, auch wenn sie es nicht in Discountern oder Supermärkten einkaufen. Die Redaktion hat rund um den Test einen der fundiertesten Berichte der letzten Zeit über die aktuelle Situation des Olivenanbaus gut recherchiert und verfasst. Zu den dafür befragten Expert*innen zählten auch wir von arteFakt mit Christoph Sippel und Conrad Bölicke.

Wir nehmen die aktuellen Olivenöl-Tests der beiden Magazine zum Anlass, um noch ein wenig weiter hinter die Kulissen und die veröffentlichten Schlagzeilen zu schauen. Es erwarten sie hier Informationen, die auch in die Tiefe gehen und daher ein wenig Zeit zum Lesen abfordert, was heute in der digitalen Welt oft verloren geht. So wünschen wir Ihnen trotzdem oder vielleicht auch deshalb einige Freude und neue Erkenntnisse beim Lesen.

Ihr Christoph Sippel und Conrad Bölicke

Wie wählen die Magazine ihre Test-Olivenöle aus?

Zur Untersuchung kaufen beide Magazine anonym die zum Test ausgewählten Olivenöle nur in den Geschäften der großen Handelsketten der Discounter und Supermärkte ein. Es ist ein Grund warum unsere Olivenöle, wie auch die Olivenöle anderer kleiner Anbieter, die nicht in diesen Marktsegmenten vertreten sind, nicht ausgewählt werden.

Mit den Olivenöltests erlangen beide Magazine eine überdurchschnittliche Aufmerksamkeit in den Medien und damit auch der Verbraucher*innen und stehen damit immer auch in einem gegenseitigen Wettbewerb. Die „Stiftung Warentest“ finanziert sich überwiegend aus öffentlichen Zuschüssen und „Öko-Test“ muss alles Geld selbst erwirtschaften. Ihr Fokus für die zum Testen ausgewählten Produkte liegt aus diesen Gründen dort, wo die Mehrheit der Deutschen ihre täglichen Einkäufe tätigen und dass sind eben die großen Handelsketten. Diese Begrenzung der Auswahl ist nicht nur schlecht, sondern auch im Interesse der Verbraucher*innen, weil sie etwas über die Qualität der Massenprodukte erfahren, die sie dort kaufen können.

Welche Prüfkriterien legen sie für ihre Tests fest?

Beide Magazine sind unabhängige Verbrauchermedien und geben sich auch eigene Qualitätsmaßstäbe für ihre Bewertungen, die oft über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehen. Die damit erlangte Akzeptanz bei Verbraucher*innen verleiht ihnen mit ihrer Medienpräsens eine mächtige Stimme zum Schutz der Verbraucher*innen, wie es sie so in keinem anderen Land der EU gibt. Es führt dazu, dass getestete Produkte die den gesetzlichen Mindeststandards genügen aber nicht den Kriterien der Magazine, nach den Tests in den Handelsketten kaum mehr verkäuflich sind und häufig aus den Regalen genommen werden. Umgekehrt erlangen Produkte die „Testsieger“ werden eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage. Beides führt zu einer größeren Aufmerksamkeit der Handelsketten auf die Qualität ihrer angebotenen Produkte, wobei es hier nicht um die höchste Qualität geht, wie wir das für unsere Produkte formulieren. Es sind überwiegend Massenartikel aus dem Handel, die aus einer lebensmittelindustriellen Mengenherstellung stammen, für die die Qualität in den Tests untersucht wird. Für Olivenöl können wir das aus den Kenntnissen unserer Arbeit gut beurteilen. Hier können wir feststellen, dass es in keinem anderen Land der EU eine vergleichbar hohe Qualität der angebotenen Massenolivenöle gibt wie in Deutschland, was den jährlichen Olivenöl-Test der beiden Magazine zu verdanken ist. Alle Olivenöl-Grossisten konzentrieren ihre besten eingekauften Chargen zum Verkauf auf den deutschen Markt an die großen Handelsgesellschaften, damit diese bei den Tests nicht durchzufallen drohen. Hauptakteure sind hierbei Aldi, Lidl, REWE und EDEKA die sich im direkten Wettbewerb für das Erlangen des Testsiegers sehen.

Es gibt auch Schwächen der Tests und erfordert damit genaues hinsehen

  • Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl

Eine erste Schwäche haben wir eingangs schon erwähnt, es ist die undifferenzierte Verwendung des Begriffs der Nativen Olivenöle Extra. Es werden dadurch „Äpfel mit Birnen“ verglichen, also Massenolivenöle undefinierter Herkunft mit der Bezeichnung „Mischung von Olivenölen aus Europäischen Union“, häufig ohne Angabe des Erntejahrs, zusammen mit sortenreinen Olivenölen mit Herkunftsangabe und des Erntejahres. Beim Wein wäre es Koch- und Auslese-Prädikatweine in Winzerqualität in einer gemeinsamen Kategorie miteinander zu vergleichen. Öko-Test hat jetzt erstmals sehr deutlich darauf hingewiesen, dass ihre Tests nur eine vergleichbare Gültigkeit für im Handel angebotene Massenprodukte haben.

  • Testsieger heißt nicht automatisch gut zu sein

Es gilt näher hinzuschauen was Testsieger jeweils in der Bewertung erreicht haben. Mit der Schlagzeile des Testsiegers wird der Eindruck erweckt das beste Produkt zu sein. Gerade in den letzten Jahren erlangten Testsieger mit der Note „befriedigend“ nur eine durchschnittliche Bewertung im Testergebnis und waren damit aber nur die beste Bewertung unter den weiteren Produkten. Die Note gut oder sehr gut erlangte keines der getesteten Produkte, da hätte die Schlagzeile dann auch bedenklicher ausfallen können, was dann erst in den textlichen Ausführungen erfolgte.

  • Warum Jahrgangs- und Haltbarkeitsangabe wichtig sind

Olivenöl hat zwar eine gute aber keine unbegrenzte Haltbarkeit. Der hohe Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren und oxidationshemmender Biophenole, im Unterschied zu Samenölen, macht Olivenöl ohne Aufbewahrung im Kühlschrank für viele Monate haltbar. Wichtig ist dabei eine Aufbewahrung in UV-beständigen Gebinden und bei durchschnittlichen Temperaturen von nicht über 20°C, besser noch bei 16°C.

Die Grundvoraussetzung ist dabei aber, dass das Olivenöl exakt und sauber hergestellt wurde. Gerade das ist aber bei den Partien, aus denen das Massenolivenöl hergestellt wird nur selten der Fall. Bedingt wird das durch zahlreiche Fehler

bei der Ernte durch:

  • eine zu späte Ernte mit zu reifen Oliven,
  • einer zu langen und unsachgemäßen Lagerung der Oliven vor der Extraktion in der Olivenmühle,

in der Olivenmühle durch:

  • es beginnt mit der Sauberkeit der Mühle,
  • der Häufigkeit des Wechsels des Waschwassers für die Oliven,
  • mit der Wartung und Erneuerung der Mühlenwerkzeuge, da abgeschliffene und stumpfe Werkzeuge die Physik in der Mühle beim Zerkleinern der Oliven verändern und zu starker Erhitzung führen, in dessen Folge Biophenole oxidieren, was das Olivenöl gallig bitter schmecken lässt,
  • gleiches passiert auch wenn die Mühle mit einem zu schnell laufenden Fließband zu stark befüllt wird, so dass die Werkzeuge blockiert werden, wodurch die Oliven dann nicht zertrümmert, sondern zerquetscht werden, was eine Reibungshitze erzeugt;
  • ebenso wenn das Rühren der Olivenmaische im Malaxeur über eine zu lange Zeit geht und die Maische dabei noch erhitzt wird. Es werden dann Oliven, die eingangs noch gut waren, schnell einer Alterung unterworfen und damit wird auch das gewonnene „frisch gepresste“ Olivenöl alt;
  • dann sind es hohe Temperaturen, die in den beiden Zentrifugen des Trennens von Feststoffen, Wasser und Olivenöl und der Reinigung des Olivenöls durch ausgebliebene Wartung entstehen und das Olivenöl weiter altern lassen und die temperaturempfindlichen sekundären Pflanzenstoffe und Aromen damit abbauen;
  • zum Schluss kommt es auf die Filterung des Olivenöls an, die die noch enthaltenen Enzyme weitgehend entfernen, deren natürliche Aufgabe die des Zerstörens ist, damit der Keimling aus dem Kern befreit wird. Die ungefilterte Lagerung des Olivenöls lässt es daher rasch altern.

Alle diese Aspekte finden sich noch mehrheitliche im „Alltag“ der Produktion von Olivenöl, unabhängig von den mediterranen Ländern und ihrer Regionen. Damit ist diese Qualität auch das mehrheitliche Angebot von Olivenölchargen, die auf den Markt gelangen.

Durch das Mischen von halbwegs guten mit weniger guten Partien wird damit versucht die gesetzlichen Mindeststandards der Qualität zu erreichen, es sind dann die Olivenöle, die mit „… aus EU-Anbauländern“ ausgewiesen werden. Mit den sich häufenden und klimabedingten Ernteausfällen ist proportional das Angebot an guten Partien deutlich geringer geworden, was zu einer Verschlechterung der Massenprodukte im deutschen Handel geführt hat und führt, was sich in den Testergebnissen widerspiegelt. Als Ausweg gehen Hersteller dazu über die Haltbarkeitszeiten ihrer Olivenöle deutlich zu verkürzen. Werden sie in den Verkauf gebracht, erfüllen sie mit noch geringem Spielraum der Ablaufzeit die gesetzlichen Mindeststandards. Werden sie dann im Handel nicht sachgemäß aufbewahrt, erreichen sie die ausgewiesene Qualität nicht bis zum Ende der Mindesthaltbarkeit. Einige der getesteten und abgewerteten Olivenöle werden in diese Kategorie gefallen sein.

Ein gutes Olivenöl hat bei fachlich guter Herstellung, früher Filterung und sachgemäßer Lagerung eine Haltbarkeit im ungeöffneten Gebinde von bis zu 18 Monaten. In geöffneten Gebinden sollte das Olivenöl in ca. 6 Monaten verbraucht werden, weil beim Entnehmen Sauerstoff in das Gebinde nachströmt, der die Alterung beeinflusst. Wir hatten uns daher früh für die Einführung der 3- und 5-Liter Bag in Boxen entschieden, weil sich der PE-Sack darin beim Entnehmen des Olivenöls zusammenzieht und kein Sauerstoff nachströmt. Das Olivenöl lagert dadurch im Vakuum, frei von Sauerstoff.

  • Belastung von Olivenöl mit Pestiziden

Hier geben die Tests regelmäßig die Wirklichkeit der Olivenlandwirtschaft wieder, die wie in anderen Landwirtschaftszweigen auch überwiegend konventionell betrieben wird und daher ein Portfolie an chemischen Hilfsstoffen zum Einsatz kommen, die in den Test dann gemessen werden. Unserer Oliviers haben sich auf einen kontrolliert biologischen Anbau umgestellt oder befinden sich auf dem Weg der Umstellung. Die von uns veröffentlichten Labortests zeigen für jedes Olivenöl auf, dass sie frei von diesen Stoffen sind.

Auch andere chemische Stoffe aus der Verarbeitung und Verpackung, wie z.B. Weichmacher sind keine Überraschung, überraschend ist, dass jetzt häufiger davon auch zertifizierte Bio-Produkte erfasst werden. Die großen Bio-Vermarkter von Olivenölen könnten hier die gleichen Probleme wie ihre konventionellen Mitbewerber haben, dass sie mit der drastischen Reduzierung der Produktion durch die Ernteausfälle und weiterer klimatischer Einflüsse eine geringere Auswahl der Qualität bei den verfügbaren Chargen haben, die sie einkaufen. Die bei Öko-Test untersuchten und mit Pestiziden belasteten Olivenöle waren in diesem Jahr so hoch wie lange nicht mehr. Auch dies ist ein Indiz für die klimatischen Veränderungen im Mittelmeerraum, weil mit einem hohen Mitteleinsatz versucht wird die Ertragsausfälle zu kompensieren.

Die Belastung mit Weichmachern, das war 2005 ein beherrschendes Thema bei Olivenöl und ist durch den Austausch der Plastik-Verbindungsschläuche in den Mühlen und dem Auswechseln der Dichtungen und Verschlüsse eigentlich ein historisches Thema. Dass es bei dem jetzigen Test wieder aufgetaucht ist könnte auf die Mischung mit Olivenölen aus Nicht-EU-Ländern zurückzuführen sein, z.B. aus der Türkei und Tunesien, die diese Standards noch nicht unbedingt haben.

  • MOSH/ POSH – MOAH – Mineralöle in Olivenölen

Ein Thema, dass vor einigen Jahren durch die Olivenöltests der Magazine entdeckt wurde und die Branche noch lange begleiten wird. MOSH/ POSH, das sind Mineralölhaltige Stoffe mit kurzkettigen und langkettigen Kohlen-Wasserstoffverbindungen, was z.B. Paraffine sein können, die als Trägerstoffe für chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, auch im Biobereich, oder zum Imprägnieren von Gewebe zum Schutz gegen Feuchtigkeit, z.B. die Erntenetze der Oliven oder Säcke, in denen sie noch oft gesammelt werden.

MOAH bezeichnet die Fraktion aromatischer Mineralölkohlenwasserstoffe. Diese Stoffgruppe ist lebensmittelrechtlich und toxikologisch besonders relevant, da sie Verbindungen enthalten kann, für die genotoxische und kanzerogene Eigenschaften nicht ausgeschlossen werden können. Dies Fraktion umfasst die Gruppe der Schmierstoffe oder Öle, die für Maschinen eingesetzt werden. MOAH gilt damit problematischer als MOSH-POSH. Bei MOSH-POSH gehen die Studien nicht von diesen Eigenschaften aus und stufen sie daher als weniger problematisch ein. Problematisch bleibt allerdings, dass Mineralöle nicht in Lebensmittel gehören.

Da es dazu noch keine gesetzlichen EU-Grenzwerte gibt, war es wegen der beiden Verbraucherschutzmagazine, die es thematisieren, in der Gewichtung noch ein weitgehend deutsches Thema, was nun jedoch europaweit an Relevanz gewinnt. Es hat dazu geführt, dass der Lebensmittel-Bundesverband Deutschland (BfR) als auch die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) empfohlene Richtwerte dafür festgelegt haben und es gibt weitere Initiativen diese als EU-Grenzwerte durchzusetzen. Danach soll die Belastung von Olivenöl mit MOSH/POSH kleiner 13 mg/kg sein und mit MOAH kleiner als 2 mg/kg, was bislang als niedrigste technisch messbare Bestimmungsgröße gilt. „Kleiner als …“ bedeutet, dass Hersteller durch geeignete Maßnahmen bemüht sein müssen diese Werte zu unterschreiten, es ist also keineswegs eine erlaubte Belastungsmenge.

Für den kürzlichen Olivenöltest der Stiftung Warentest galten noch diese Richtwerte in der Bewertung der getesteten Olivenöle. Bei Nichteinhaltung kam es zu entsprechenden Abwertungen in der Beurteilung. Jetzt hat auch die EU-Kommission Grenzwerte beschlossen, die aber immer noch in keiner Verordnung verankert sind und daher weiter als Empfehlungen gelten. Die Grenzwerte wurden gegenüber dem bisherigen Diskussionsstand aber deutlich heraufgesetzt und damit entschärft. Danach wird für MOSH/POSH jetzt eine Belastung mit kleiner 30 mg/kg festgelegt und für MOAH 10mg/kg, obwohl die Analysemethoden jetzt verfeinert wurden, so dass Belastungen schon ab 0,5mg/kg gemessen werden können. Hier werden Lobbyisten kräftig daran mitgewirkt haben. Eine Begründung für die Hochsetzung der Werte durch die EU-Kommission steht noch aus.

Bei dem jetzigen Olivenöltest von Öko-Test waren diese neuen Richtwerte nun die Grundlage in der Bewertung der Ergebnisse der Laboruntersuchungen. Schaut man sie sich an, weisen alle getesteten Olivenöle Mineralöle auf, aber nur noch in „Spuren“. Zu Abwertungen hat es nicht mehr geführt. Im Dunkeln bleibt dabei welche der Olivenöle in die Kategorie der vorherigen niedrigen Orientierungswerte gefallen sind und welche diese überschritten haben und damit von den neuen Richtwerten profitieren.

  • Es geht auch anders, braucht dazu aber eine andere Einstellung zu den Dingen

Mit arteFakt zeigen wir, dass es auch anders geht und veröffentlichen im Internet traditionell nicht nur das vollständige und umfangreiche Analyseprotokoll des mit den Untersuchungen beauftragen Lebensmittellabors EUROFINS in Hamburg, sondern gesondert jetzt auch das Analyseprotokoll einer möglichen Mineralölbelastung. Fast allen unserer Oliviers gelingt eine mineralölfreie Herstellung ihrer Olivenöle und wenigen noch eine wirklich nur noch in Spuren nachweisbaren Belastung. Dies liegen dann weit unterhalb der vormals geltenden und empfohlenen Orientierungswerte. Mit dieser Offenlegung und Transparenz bleiben wir mit arteFakt immer noch allein unter den Mitbewerbern.

Unseren Oliviers gelingt das mit einer facettenreichen Anwendung und Einhaltung kompromissloser Qualitätsstandards und ihrem über die Jahre in der arteFakt Gemeinschaft entwickeltem Fachwissen über die Olive und den biochemischen Prozessen bei ihrer Verarbeitung. Die Ergebnisse ihrer Arbeit überprüfen sie mit uns gemeinsam und regelmäßig, um durch ein frühzeitiges Erkennen notwendige Korrekturen oder auch Veränderungen vorzunehmen. Das alles erfordert einen höheren Einsatz und ist nicht billig. Durch den gemeinschaftlichen Ansatz der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft können wir das aber in einem günstigen Kostenrahmen halten. Bezogen auf die Qualität und Besonderheit unserer Terroir-Olivenöle liegen sie im Vergleich zu vielen der Massen-Olivenöle im Handel nicht nur eine andere Liga, sondern sind im Preis gar nicht so weit von ihnen entfernt und damit eigentlich zu günstig, wie es Olivenölexperten uns gegenüber oft anmerken.

  • Was macht es so schwierig aus der Mineralölverwendung auszusteigen?

Die erste Schwierigkeit ist es, dass der Einsatz von Mineralölprodukten in Lebensmitteln gesetzlich nicht grundsätzlich verboten ist oder gesetzlichen Grenzwerten unterliegt. Es ist daher keine Deklarationspflicht der Hersteller auf ihren Produkten verpflichtend. So ist es für die Käufer*innen oder Verwender*innen zunächst gar nicht sichtbar in welchen der vielen Produkte, die uns in dem heutigen fossilen Zeitalter im täglichen Leben umgeben, Mineralöle enthalten sind. Auch wir standen anfänglich vor dieser Problematik und mussten mit unseren Oliviers zunächst wie Detektive gemeinsam auf die Suche gehen. In der Mühle waren es zunächst alle technischen Teile von Maschinen, die sich im Arbeitsprozess bewegen und daher „geölt oder geschmiert“ werden müssen. Sie wurden konsequent durch synthetische Öle und Schmierstoffe ersetzt, die zwar teuer sind, im Mühlenprozess aber in nur in geringem Volumen benötigt werden. Die mit Paraffin imprägnierten Erntenetze wurden fettlöslich gewaschen oder durch nicht imprägnierte ausgetauscht. Den größten Eintrag verursachen jedoch die großen technischen Ernterüttler und stellen für viele der Olivenanbauer ein Dilemma dar. Der Ernterüttler wird vor einen Traktor montiert, der an den Baum heranfährt und mit einem Gelenksystem einen großen umgekehrten „Regenschirm“ unter dem Baum aufspannt. Die Gelenke sind dabei ordentlich mit Schmierfetten bestrichen, damit sie geschmeidig funktionieren. Dann umschließen zwei Backen den Baum, die dann über eine Hydraulik die Kraft aufbringen den Baum so kräftig vibrieren zu lassen, dass die Oliven von den Ästen abgeschüttelt werden. Viele von ihnen fallen dabei an den Gelenken vorbei in den Regenschirm und benetzen sich dabei mit dem Schmierfett, was zur Belastung mit MOAH führt. Die Rüttler sind nicht billig und werden daher lange Jahre benutzt, so dass etliche der Dichtungen des Hydrauliksystem nicht mehr fest schließen. Immer wenn die Anlage den Pressdruck zum Rütteln startet, dampft dann durch diese Dichtungen Öl ins Freie und benetzt die herunterfallenden Oliven. Das Waschen der Oliven in der Olivenmühle vor dem Schreddern in der Hammer- oder Messermühle zur Olivenmaische nützt hierbei nichts, das kalte Waschwasser nimmt nur die Schmutzpartikel weg aber nicht den Ölfilm. Eine Rüttelanlage benötigt für ihren Betrieb bis zu 300 Liter Mineralöl. Theoretisch ließe es sich durch ein synthetisches Hydrauliköl ersetzen, bei Preisen von über einhundert Euro pro Liter wird das eine Utopie bleiben. Viele Olivenlandwirte können aber auf den Einsatz der Rüttler nicht verzichten, sie haben sie aus Mangel an Arbeitskräften angeschafft oder weil sie die teuer gewordenen Arbeitskräfte mit dem Verkauf ihres Olivenöls gar nicht bezahlen können. Auch wenn Olivenöle jetzt teurer geworden sind, kommt nur der kleinere Teil davon wirklich bei den Olivenlandwirten an. Der überwiegende Teil der Olivenlandwirte arbeiten heute nur noch als Nebenerwerbslandwirte, die ihre Oliven an die Mühlen abgeben, die das daraus gewonnene Olivenöl in großen Tanks sammeln und Einkäufern zu Preisen abgeben, die von den großen Konzernen vorgegeben werden. In den daraus entstehenden Mischungen in den Tanks können schon kleinere mit Mineralöl belastete Partien, was augenscheinlich beim Befüllen ja nicht erkennbar ist, den ganzen Tank kontaminieren. So wandert Mineralöl in die vielen Massenolivenöle in den Supermärkten und Discountern, deklariert als „… aus EU-Anbauländern“.

  • Fazit der langen und detaillierten ausführlichen Ausführungen

In unserer Erzeuger-Verbrauchergemeinschaft sind wir einen langen, oft mutigen aber auch mühsamen Weg der Erneuerungen gegangen und das immer in solidarischer Weise und mit viel Freude es in praktisch gelebter Gemeinschaft zu tun. Das hat uns über die nationalen Grenzen hinweg kulturell, fachlich und ökonomisch zueinander und weit nach vorn gebracht und beschert uns lange schon eine Auswahl bester Terroir-Olivenöle. Die Ergebnisse der Olivenöltests der beiden Verbrauchermagazine legen uns das jährlich offen wo wir stehen und bestärken uns in unserem Tun. Unsichtbar bleiben dabei leider die vielen kleinen Landwirtschaftsfamilien, denen wir bei unseren Besuchen bei den Oliviers auch begegnen. Mit ihrer harten Arbeit füllen sie die Flaschen der Massenolivenöle und werden für ihre Oliven dabei nicht ordentlich bezahlt. Es behindert sie oder macht es ihnen auch unmöglich sich zu entwickeln und zu investieren, um sich damit auf die Höhe einer heute möglichen Qualität und besseren Bezahlung bringen zu können. Es hält sie damit auch in ihren Traditionen gefangen, was zu einem negativen Kreislauf führt, den wir mit arteFakt durchbrechen konnten. Damit konnten wir ihre Kinder motivieren die Nachfolge ihrer Eltern anzutreten, es sind die Oliviers mit denen wir heute zusammenarbeiten. Neben den Klimaeinflüssen, die mit den Ernteausfällen das frühere Überangebot an Olivenölen heute aufgelöst haben und das Angebot heute die Nachfrage nicht mehr erreicht, verstärken sich die Ernteausfälle immer häufiger auch durch die Aufgabe der älteren Landwirte, die ihre Bäume aus eigener Kraft nicht mehr ernten können und ihnen dabei keiner mehr folgen möchte.

Schön, dass sie ein Mitglied unserer Genossenschaft sind und sich damit für eine bessere Zukunft einsetzen.

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Mitglieder-Rundbrief Februar 2026

Guten Tag liebe Mitglieder,

wir wünschen Ihnen, gut und mit Freude in das neue Jahr gekommen zu sein, und dass es sich als ein Jahr mit vielen schönen Erlebnissen für Sie fortsetzt. Nach unserer traditionellen Betriebspause zwischen den Feiertagen und der ersten Januarwoche sind wir alle vom Vorweihnachtsstress gut erholt und gutgelaunt wieder zurückgekommen und arbeiten bereits intensiv am Start der neuen Olivenöl­kampagne, den Vorbereitungen der Generalversammlung Mitte und Ende März und den Olivenöl-Abholtagen Ende April. Und es gibt etwas zu feiern …

30 Jahre arteFakt

In diesem Jahr blicken wir auf 30 Jahre arteFakt zurück, das wird uns als ein schönes Jubiläum durch das Jahr begleiten. 30 Jahre: das bedeutet, dass damit auch etliche Mitarbeiter*innen ihre langjährige Zugehörigkeit zu arteFakt begehen und sich bald in die Rente verabschieden werden oder es schon getan haben. So gehen wir in das Jubiläumsjahr auch mit einer neuen, jüngeren Generation, die sich aufmacht die nächsten 30 Jahre prägen zu wollen, und in diesem Jahr vieles zum ersten Mal erleben werden. Nicht alle „Alten“ sind schon weg, dennoch wird vielleicht nicht alles gleich wie gewohnt klappen und wir werden sie vielleicht auch das eine oder andere Mal als Mitglieder um Rat und Mithilfe bitten.

Generationenwechsel

Mit dem Generationenwechsel werden Neuerungen einhergehen, u.a. der „digitalen Welt“ die schneller als in den zurückliegenden Jahren zur Geltung kommen wird. Wir werden dabei darauf achten müssen, dass wichtige Elemente des Zusammenseins wie fühlen, riechen und schmecken nicht in den Hinter­grund geraten und weiterhin analog erlebbar bleiben.
Bei der Gründung von arteFakt bezogen wir uns auf das Modell des „Sozialen Organismus“ von Joseph Beuys. Mit dem Begriff der Sozialen ­Plastik erweiterte er die Kunst und das künstlerische Schaffen um den Wärmebegriff. Sein geplantes Projekt der Gründung eines Unternehmens auf der Documenta in Kassel als Form der Kunst konnte er durch seinen Tod nicht mehr schaffen. Geblieben sind davon Fragmente seiner Vorarbeiten, wie „Kunst gleich Kapital“, „Wärmezeitmaschine in der Ökonomie“ und „Die Zukunft gehört dem Wärmetausch“. Blicken wir zurück, hat das unsere Unternehmensentwicklung und -kultur stark geprägt. Es hat uns viel miteinander erleben lassen und gemeinsam zu Erfolgen geführt.
Jetzt werden die Herausforderungen nicht nur die der digitalen Veränderungen sein, es gilt dabei alle mitzunehmen und den Gründungsidealen des Miteinander und der Gemeinschaft auch weiterhin einen sinnlichen Raum des Wärmetauschs zu ermöglichen.
Wer den direkten und persönlichen Kontakt zu arteFakt sucht, soll das weiterhin können und uns dann persönlich, und nicht als KI-Roboter erreichen. Jetzt im März werden Sie wohl die letzten postalischen „Auskünfte“ in Printform erreichen. Für die Herbst-Auskünfte planen wir sie dann erstmals in einem digitalen Format. Mit Ihnen zusammen werden wir jedoch auch Übergangswege suchen, die beiden Vorlieben, die sich vielfach entlang der Generationen bewegen, gerecht werden können.

Klima, Klimaveränderungen und Olivenernte

Mit ihren Folgen für die Olivenlandwirtschaft und damit für die Olivenöle bleiben die Veränderungen des Klimas an der Spitze der Agenda der Herausforderungen. Mit der neuen Ernte sind es in diesem Jahr unsere griechischen Oliviers, die erhebliche Ernteeinbußen wegen langer Trockenheit und zu hohen Temperaturen erlitten haben. Nach den Ernteeinbrüchen im letzten Jahr bei unseren Oliviers in Italien konnten diese jetzt im südlichen Italien eine gute Ernte verzeichnen. Die Oliviers in Mittel und Ober­italien klagten über zu viel Wasser, was auch zu vielen Überschwemmungen führte. Die hohe Feuchtigkeit, gepaart mit der Sommerwärme, ergab dann paradiesische Bedingungen für die frühe und massenhafte Vermehrung von Schadinsekten. Viele Oliven fielen ihnen zum Opfer, minderten die ­Olivenmenge und die Qualität.
Wie im südlichen Italien konnten auch unsere spanischen Oliviers eine gute Ernte verzeichnen. Damit ergibt sich insgesamt eine relative Stabilisierung der Angebote gegenüber den letzten Jahren, was es auch unseren Oliviers ermöglichte die Preise stabil zu halten, weshalb auch wir im Wesentlichen keine Preise erhöhen.

Olivenöl-Test und allgemeine Marktlage

Bezogen auf den allgemeinen Markt gelang es erneut nicht, die Nachfrage mit dem Angebot an Olivenöl in Einklang zu bringen. Das allgemeine Preisniveau bleibt daher gegenüber früheren Jahren weiterhin im hohen Bereich. Das Ergebnis des gerade erschienen neuen Olivenöl-Tests der Stiftung Warentest ist verheerend ausgefallen. Kein Olivenöl erreichte die Note eins. Nur vier die Note Zwei, und diese lagen im Preisbereich zwischen 14,00 und 54,00 Euro pro Liter. Acht Olivenöle fielen wegen schlechten Geschmacks und enthaltenen Schadstoffen mit der Note Mangelhaft durch. Alle anderen bewerteten Olivenöle kamen über ein Mittelmaß in der Qualität nicht hinaus.
Eine Ökotrophologin äußerte sich im Interview schockiert, weil die Bezeichnung nativ und Nativ Extra als höchste Güteklasse kein verlässlicher Hinweis mehr auf ein hochwertiges Olivenöl ist. Getestet wurden ausschließlich Olivenöle dieser beiden Güteklassen, eingekauft in Supermarktketten und ­Discountern. Deshalb werden unsere Olivenöle nicht ausgewählt und mit in die Tests einbezogen.
Uns haben diese Ergebnisse eher nicht überrascht und auch nicht schockiert, haben wir doch deshalb vor 30 Jahren arteFakt gegründet. Damals und bis vor einigen Jahren überstieg im allgemeinen Markt das jährliche Angebot an Olivenölen noch die Nachfrage. Das war einer der Gründe für die niedrigen Preise, und den großen Playern der Supermärkte und Discounter stand noch eine größere Menge an Olivenölpartien zur Qualitätsauswahl zur Verfügung. Lange schon ist es bekannt, dass wegen der Olivenöltests durch die beiden Verbraucher-Magazine Stiftung Warentest und Öko-Test, die es in keinem der anderen europäischen Länder in vergleichbarer Weise gibt, die besseren Partien immer nach Deutschland gehen. Mit den Folgen des Klimawandels ist diese Überproduktion des Angebots seit einigen Jahren verloren gegangen, die Preise verdoppelten sich dadurch und die Auswahl für „akzeptable“ Qualitäten ist drastisch gesunken. So konnte z.B. Aldi mit seinen Olivenölen im letzten Jahr bei Stiftung Warentest noch punkten, jetzt bekamen sie die Note Mangelhaft.

Unsere Olivenölpässe

Einmal mehr hat uns das Testergebnis gezeigt, warum unser Olivenölpass so wertvoll für Olivenöl-Genussfreunde ist und keiner uns sie nachmacht. Wir leisten uns dafür ebenso umfangreiche und aufwendige lebensmittelchemische Laboruntersuchungen wie die großen Player der Supermarktketten und Discounter. Diese nutzen die Ergebnisse allerdings, um damit Mischungen aus EU Anbaugebieten so herstellen zu lassen, dass sie nicht unter die Mindestanforderungen der EU-Olivenölverordnung geraten. Die Kosten dieser Laboruntersuchungen fordern uns ökonomisch stärker als diese heraus, weil wir das für unsere sehr viel kleineren Partien untersuchen lassen. Mit diesen Untersuchungen und den jähr­lichen Weiterbildungstreffen wollten wir aber schon früh den Oliviers helfen, eine neue Olivenölqualität zu entwickeln. „Olivenöl aus der Fettecke holen“ nannten wird das vor 30 Jahren. Blicken wir zurück, so ist uns das gemeinsam gelungen und dokumentiert sich für alle transparent in den Olivenölpässen.

1-Euro-Klimataler und 3 in 1-Produkte zum Erhalt der Biodiversität

Trotz aller über die Jahre erlangten Perfektion und Routine machen es die Einflüsse des Klimawandels jetzt schwerer als früher, jedes Jahr die bereits erreichte höchste Qualität erneut zu erreichen. Wer mit der Natur arbeitet, hatte das Problem der Schwankungen schon immer. Neu ist die zeitliche Nähe der Wiederholungen von drastischen Klimaeinflüssen. Hierfür wird es keine schnellen Lösungen zur Abhilfe geben und wird noch längere Zeit des Erforschens und Experimentierens erfordern. Neben dem zähen Willen und der Beharrlichkeit diese langen Wege zu gehen, braucht es die Gemeinschaft zur Unterstützung, zum Mut machen und zur Finanzierung. Mit unserem Modell, mit nur kleinen Beträgen und Beiträgen, die aber von vielen geteilt und geleistet werden, haben wir in 30 Jahren auf diese Weise vieles erfolgreich meistern können.
Lassen sie uns weiterhin gemeinsam als Ziel festhalten, dass am Ende des Jubiläums­jahres so viele 1-Euro-Klimataler zusammengekommen sind, dass wir damit das ­bestehende Mikroklima-Projekt stärken, und dann vielleicht ein neues, ein Jubiläums­projekt damit beginnen können.

Mit herzlichen und genossenschaftlichen Grüßen
Ihr
arteFakt-Team

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Mitglieder-Rundbrief Dezember 2025

Guten Tag liebe Mitglieder,
das kalendarische Jahr neigt sich mit der Adventszeit und den anschließenden Festtagen dem Ende zu, unser Geschäftsjahr weicht allerdings davon ab und endete bereits am 31. Oktober. Im ersten Überblick war es wirtschaftlich ein erfolgreiches Jahr, dass wir mit einem Überschuss abschließen konnten. Mit unserem Steuerberater wird nun noch an der buchhalterischen und steuerfachlichen Feinjustierung gearbeitet, die Ende Januar fertig sein soll, so dass wir die Jahresmitgliederversammlung schon jetzt terminieren können. Sie wird am 28. März 2026 in Bremen, nahe dem Hauptbahnhof im Überseemuseum stattfinden, erneut in hybrider Form, Sie können also analog mit dabei sein oder sich digital zuschalten.

Olivenöle der neuen Ernte schon früh verfügbar

Die klimatischen Veränderungen lassen die Oliven erneut früher reifen als wir es in der Vergangenheit gewohnt waren. Das einmal konzipierte Kampagnenprinzip mit einem gemeinsamen Start aller Oliven­öle der neuen Ernte funktioniert daher immer weniger. Mit dem Olivenöl No.2 von Sizilien, dem Olivenöl special Carolea aus Apulien und dem Olivenöl No.11 grün aus Katalonien sind bereits die ersten Olivenöle der neuen Ernte im Shop, und im Januar werden weitere folgen. Den Start der Olivenölkampagne, der traditionell mit der Aussendung der Frühjahrs-Auskünfte Mitte März erfolgt, werden wir noch beibehalten, werden aber keine Olivenöle, die uns schon vorher erreichen, bis dahin zurückzuhalten. Mit neuen Ideen werden wir für die kommenden Jahre auf die veränderte Situation reagieren, nehmen hierfür Anregungen gerne an und berichten dann in den Herbst-Auskünften über zukünftige Neuerungen.

Weitgehend stabile Preise für die neue Ernte

In Italien und Spanien sind größere Ernteeinbußen wie im letzten Jahr ausgeblieben, so dass die allgemein für den Markt verfügbare Olivenölmenge die Preise stabilisiert. Noch reicht die Menge aber nicht zur Befriedigung der früheren allgemeinen Marktnachfrage, so dass das Preisniveau insgesamt weiterhin hoch bleibt. Auch unsere Partner-Oliviers halten ihre Preise stabil, so dass wir unsere Preise, bis auf kleinere Korrekturen, in der neuen Kampagne unverändert belassen können.
Für unsere griechischen Oliviers waren die Bedingungen leider weniger erfreulich. Die Familie Fronimakis auf Kreta musste mit einer Feuerbrunst im Sommer, die auch in ihren Canyon eindrang, bereits den Verlust von ca. 300 Olivenbäumen hinnehmen. Eine lange anhaltende Trockenheit, die bis hinein in die Erntezeit reichte, ließ die Oliven dann nur sehr wenig Olivenöl ausbilden, so dass ihre Ernte nur eine Minimalmenge an Olivenöl hervorbringen wird.
Die Kooperative Eleonas auf dem südlichen Peloponnes hatte mit ihrer geografischen Nische des Hochplateaus in den Bergen erneut weniger Schwierigkeiten mit dem Klima. Viele Olivenbäume konnten sie dann aber trotzdem nicht ernten, weil sich in den Oliven ab der Frühreife recht schnell von innen her eine Fäulnis bildete. Noch forschen wir nach der Ursache, in jedem Fall ist es ein herber Verlust vom mehr als 50% der erwarteten Ernte. Für die Kooperative kommt das zur Unzeit, errichtet und finanziert sie doch gerade eine eigene Olivenmühle.

Bei einem anderen beliebten Produkt, den fettfrei gerösteten Haselnüssen von Josep M. Mallafré aus Katalonien, sind die Preise durch die Decke geschossen. Wie bereits mehrfach den Medien zu entnehmen war, ist es weltweit zu einer drastischen Missernte von Haselnüssen gekommen, was die Preise fast verdoppeln ließ. Das erreichte auch uns, so dass wir jetzt eigentlich eine Goldschleife um das Glas mit Haselnüssen binden müssten. Die Freunde und Freundinnen dieser leckeren Haselnüsse werden sie in diesem Jahr wohl nur einzeln und mit Bedacht genießen können.

2026 wird arteFakt 30 Jahre alt

1996 starteten wir in Berlin mit dem ersten Angebot von eintausend 1 Liter-Kanistern eines Olivenöls aus Ligurien. Man konnte nur ein Mal im Jahr einen 1 Liter-Kanister bestellen und musste, wenn dieser verbraucht war, ein Jahr auf die nächste Ernte warten. In den ersten drei Jahren war arteFakt als Forschungsprojekt konzipiert und erst 1999 mit der Gründung der GmbH dann juristisch ein Handelsunter­nehmen. Im neuen Jahr blicken wir auf die Gründungsjahre zurück und erzählen davon, auch warum man im ersten Jahr nur einen 1 Liter-Kanister erwerben konnte. Vielleicht waren Sie zu dieser Zeit schon mit dabei, dann schreiben Sie uns gerne Ihre Erinnerungen.

Zum Vormerken:
28. Olivenöl-Abholtage am Sonnabend und Sonntag,
den 25. und 26. April 2026 in Wilstedt

FuE Agroforstwirtschaft Palombaio

Maria Dahm, Studentin an der Hochschule für Nachhaltigkeit in Eberswalde, absolviert derzeit ein Auslandspraktikum in Palombaio bei der dortigen NGO für Permakultur und ­Agroforstwirtschaft und engagiert sich währen dieser Zeit auch für unsere dortigen Projekte. Sie unterstützt hier Palma Iacobelli aus Bari, die in den Niederlanden Agroforstwirtschaft studiert hatte und mit uns schon länger zusammenarbeitet. Zu sehen sind sie hier bei der Bearbeitung unserer beiden Agroforst-Versuchsflächen für die neue Vegetationsperiode. Es geht dabei um eine veränderte Landwirtschaft, die mit 30 bis 40% weniger Wasser auskommen können soll und deren Böden das Wasser lange halten können. Unter der Erde wird das durch einen Humusaufbau und mit der Pflanzenkohle zur Aktivierung des Bodenlebens erreicht und über der Erde durch einen diversifizierte und sich synergetisch ergänzende Pflanzengemeinschaft, die den Boden bedeckt sowie die Humusbildung, als auch die Entwicklung nützlicher ­Insekten und bodennaher Kleintiere befördert und damit Einfluss auf das Mikroklima nehmen kann.

Eine der beiden Flächen haben wir jetzt „gedopt“ und zwar mit Humus aus der Regenwurmzucht von Davide Colasanto aus Ruvo und mit aktivierter Pflanzenkohle aus dem Projekt bei der Cooperative ­Emanuel De Deo in Minervino. Hier kommt der Prototyp der Carbon Box von Walter Danner (Mitglied unserer Genossenschaft) aus dem Entwicklungszentrum seines Unternehmens Snow Leopard Projects zur Herstellung von Pflanzenkohle aus dem Schnitt der Olivenbäume zum Einsatz. Auf beiden Flächen wurden als ökonomisch verwertbare Nutzpflanzen Fave-Bohnen ausgesät. Der satte Regen der letzten Wochen lässt die Bohnen bereits erkennbar gut sprießen. Alle Versuche dienen hier der Vorbereitung eines größeren Klimaprojektes, für das wir zusammen mit unseren Partner*innen in Apulien einen Antrag für Gelder aus Fördertöpfen der EU vorbereiten.

In den letzten Tagen kam es zum Durchzug eines Wolkenfeldes, dass in wenigen Stunden immense Wassermassen abregnen ließ und zu Sturzbächen führte. Palma schaut sich hier die weggespülte Mauer und der Abbruchkante zum Nachbar-Olivenhain an, die hunderte von Jahren gehalten hatte und sie jetzt an einem Tag weggespült und eine Auswaschung des Bodens zu einem kleinen See mit einer Tiefe von einem Meter fünfzig hinterlassen hat. Das ist jetzt die Realität. Sehr lange und regenfreie Sommermonate und in der Winterzeit Regen zumeist nur als Wolkenbrüche. Hierauf müssen wir Antworten finden. Dank der Spendenbereitschaft für den 1 Euro-Klimataler stehen uns die Mittel für erste kleinere Versuchsprojekte zur Verfügung. Ebenso hilfreich ist dabei die Bereitschaft von Mitgliedern und arteFakt-Freunden aus dem Kundenkreis, diese Mittel in praktischer Arbeit vor Ort auch einzusetzen.

Nun wünschen wir Ihnen eine nicht zu stressige Advents- und Vorbereitungszeit der Festtage und dann einen geruhsamen Übergang in das neue Jahr. Für uns wird es bis einschließlich dem 19. Dezember, dem letzten Tag der Aussendung von Paketen, noch recht angespannt bleiben und wir verabschieden uns dann zum Erholen und Schöpfen neuer Kräfte bis zum 3. Januar in die Betriebsferien und sind ab dem 6. Januar wieder für Sie da.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
arteFakt-Team

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