Mitglieder-Rundbrief August 2026

Guten Tag liebe Mitglieder und arteFakt-Freunde und Freundinnen,

Anfang Juli wurde Lissabon für zwei Tage zum internationalen Treffpunkt der Olivenölwelt und wir waren mit Christoph Sippel, unserem Lebensmittelchemiker und Olivenöl-Sensoriker, mit dabei.

Impulse für die Zukunft des Olivenöls

Beim zweiten Olive Oil World Congress (OOWC), der am 2. und 3. Juli 2026 im Centro Cultural de Belém stattfand, kamen Fachleute aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und internationalen Institutionen zusammen. Das Programm und die Vorträge machten deutlich, wie stark sich die Olivenölbranche gegenwärtig verändert. Im Mittelpunkt standen nicht allein Produktion und Vermarktung, sondern die gesamte Wertschöpfungskette – vom klimaangepassten Olivenanbau über moderne Verarbeitungstechnologien bis zur gesundheitlichen Bedeutung und glaubwürdigen Kommunikation von Nativem Olivenöl Extra.

Klimawandel und widerstandsfähiger Olivenanbau

Einen zentralen Themenblock bildeten die Folgen des Klimawandels. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und eine unregelmäßigere Wasserverfügbarkeit beeinflussen Erntemengen, Fruchtentwicklung und letztlich auch die Qualität der Öle. Diskutiert wurden widerstandsfähige Sorten, genetische Vielfalt, ein an den Standort angepasster Anbau und ein effizienterer Umgang mit Wasser.

Dabei wurde deutlich: Der Olivenbaum besitzt zwar eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit, doch auch er benötigt geeignete Böden, Sorten und Bewirtschaftungsstrategien. Die Erhaltung der Sortenvielfalt wird deshalb künftig ebenso wichtig sein wie die Weiterentwicklung klimaresilienter Anbausysteme.

Nachhaltigkeit als messbarer Bestandteil der Qualität

Nachhaltigkeit wurde nicht nur als ökologisches Ziel, sondern zunehmend als wirtschaftliche und strategische Aufgabe verstanden. Vorgestellt wurden Ansätze zur Ermittlung der Kohlenstoffbilanz von Olivenhainen, zur effizienteren Nutzung von Energie und Wasser sowie zur Verwertung von Nebenströmen aus der Olivenölgewinnung (bisher als Abfall behandelte Reststoffe der Olive).

Besonders interessant war die Betrachtung des Olivenhains als langfristigem Kohlenstoffspeicher. Mit unserem Projekt der Carbon Box (einer Prototypentwicklung unseres Genossenschaftsmitgliedes Walter Danner und der NGO „char2cool“) zur Gewinnung von Pflanzenkohle aus dem jährlichen Olivenbaumbeschnitt, den Olivenkernen und den Spelzen des Hartweizens, sind wir bereits auf diesem Weg.

Gleichzeitig wurde betont, dass positive Klimawirkungen belastbar erfasst und über nachvollziehbare Methoden dokumentiert werden müssen. Nachhaltig erzeugtes Olivenöl benötigt daher ebenso Transparenz und überprüfbare Daten wie seine chemische und sensorische Qualität.

Digitalisierung vom Olivenhain bis zur Mühle

Auch künstliche Intelligenz und digitale Technologien waren in Lissabon keine Zukunftsmusik mehr. Drohnen, Fernerkundung, Bodensensoren und digitale Prognosemodelle können dabei helfen, Bewässerung, Pflanzenschutz und Erntezeitpunkt präziser zu steuern. In modernen Ölmühlen ermöglichen automatisierte Prozesskontrollen eine bessere Anpassung an Olivensorte, Reifegrad und Zustand der Früchte.

Diese Technologien ersetzen jedoch nicht die Erfahrung der Erzeuger *innen und Müller*innen. Ihr größter Nutzen liegt darin, vorhandenes Wissen durch zusätzliche Daten zu ergänzen, um Entscheidungen schneller und fundierter treffen zu können.

Gesundheit, Genuss und wissenschaftliche Evidenz

Ein weiterer Schwerpunkt war die gesundheitliche Bedeutung von Olivenöl und der mediterranen Ernährung. Die vorgestellten Erkenntnisse unterstrichen, dass Natives Olivenöl Extra weit mehr als nur ein austauschbares Speiseöl ist. Seine besondere Zusammensetzung aus Ölsäure, phenolischen Verbindungen und weiteren natürlichen Begleitstoffen trägt wesentlich zu seiner ernährungsphysiologischen Bedeutung bei.

Für die Kommunikation mit Verbraucherinnen und Verbrauchern gilt dennoch: Gesundheitsbezogene Aussagen müssen wissenschaftlich abgesichert, verständlich und frei von Übertreibungen sein. Qualität, Herkunft, Geschmack und gesundheitlicher Wert sollten gemeinsam vermittelt werden.

Von der Preis- zur Wertediskussion

Eine der wichtigsten Botschaften des Kongresses lautete sinngemäß: Der Olivenölsektor muss stärker vom reinen Preisvergleich zu einer Diskussion über den tatsächlichen Wert des Produktes gelangen. Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten Qualität, Authentizität, Rückverfolgbarkeit und nachvollziehbare Nachhaltigkeit. Dazu gehört auch, sensorische Unterschiede zu erklären und die Vielfalt von Sorten, Regionen und Erzeugungsweisen erlebbar zu machen.

Genau hier bestätigt der Kongress den Weg, den wir mit arteFakt schon seit Anbeginn gehen: langfristige Partnerschaften mit den Oliviers, transparente Herkunft, sorgfältige Qualitätsprüfung und die Vermittlung von Wissen über gutes und authentisches Olivenöl.

Unser Fazit des Kongresses: Austausch, der Mut macht.

Das Programm und die Vorträge machten deutlich, dass die Fragestellungen, mit denen wir uns seit vielen Jahren bereits in kleineren Forschungs- und Entwicklungsprojekten gemeinsam mit unseren Oliviers und unterstützt von den arteFakt-Olivenölfreunden und –freundinnen beschäftigen, nun auch in der Olivenbranche angekommen sind. Der OOWC war damit nicht nur eine Fachveranstaltung von wissenschaftlichen Experten, sondern war vor allem ein Ort des persönlichen Austauschs. Gespräche mit Wissenschaftlern, Produzenten und Branchenvertretern aus unterschiedlichen Ländern eröffneten neue Perspektiven und wertvolle Kontakte für eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit.

Als gemeinsamer Orientierungsrahmen wurde das „Lisbon Manifesto“ vorgestellt, dass Gesundheit, Nachhaltigkeit und Innovation als Leitlinien für die weitere Entwicklung des internationalen Olivenölsektors, auch der neuen Olivenanbaugebiete in Übersee, zusammenführt.

Die Tage in Lissabon haben gezeigt, dass die Branche vor großen Herausforderungen steht – zugleich aber auch über Wissen, Ideen und engagierte Menschen verfügt, um ihnen begegnen zu können. Sie haben aber auch gezeigt, wie weit es noch ist, bis die Ergebnisse des Kongresses in die allgemeine Praxis der Branche umgesetzt und zur Normalität werden.

Für unsere laufenden und in Vorbereitung befindlichen arteFakt-Projekte nehmen wir zahlreiche Anregungen, die uns helfen werden eine noch fundiertere Kommunikation mit unseren Mitgliedern und Kunden zu führen.

Weitere Informationen: Olive Oil World Congress und IOC hosts 2nd Olive Oil World Congress presentation – International Olive Council

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