Mitglieder-Rundbrief Oktober 2026

Guten Tag liebe Mitglieder der Genossenschaft,

unser Jubiläumsjahr neigt sich in diesem Oktober dem Ende zu. Abweichend vom Kalenderjahr hatten wir schon vor langer Zeit unser Geschäftsjahr an den Vegetationsrhythmus des Olivenbaumes angepasst. In den Herbst-Auskünften haben wir bereits angedeutet, dass das 30igste arteFakt-Jahr viele Facetten haben wird. Der Generationswechsel bei arteFakt ist in vollem Gange, die weiter schwierigen klimatischen und ökonomischen Rahmenbedingungen sind eine weitere Herausforderung.

Eine normal gute Olivenernte deutet sich an
Nach mehreren schwierigen Jahren blicken die Oliviers zwar wieder einmal auf ein normal gutes Erntejahr, das jetzt vor ihnen liegt. Der teils üppige Regen im Winter, der noch lange bis ins Frühjahr reichte, hatte den Fruchtansatz begünstigt und im Boden Reserven geschaffen, die die langen Hitze- und Trockenzeiten im Sommer halbwegs gut überstehen ließen. Jetzt verzeichnen einige Regionen im Süden Regenmengen, die mit bis zu 200 Litern Wasser pro Quadratmeter in wenigen Stunden zu Sturzfluten führten. Maria schreibt, dass diese Wassermassen in den Ortschaften ihrer Umgebung auf Kreta ebenso hohe Schäden angerichtet haben, wie vergleichsweise das Feuer auf ihrem Hain im letzten Jahr, bei dem 380 ihrer Olivenbäume vernichtet wurden. Den Oliven haben die Wassermassen bisher nicht geschadet, sie sind noch vor der Zeit der Erntereife und können mit dem Wasser zunächst ihre Fotosynthese zum Aufbau des Zuckers verstärken, aus dem sich dann das Olivenöl in den Fruchtzellen bilden wird. Kommen jetzt aber anhaltende hohe Temperaturen dazu, dann würde die feuchtwarme Luft die Entwicklung von Schadinsekten begünstigen, was dann die Qualität der Oliven und des Olivenöls stark beeinträchtigen würde. Also, noch sind die guten Vorzeichen des Jahres nicht gesichert.
Können Genossenschaften den Trends besser trotzen?
Wir sind eine erst junge Genossenschaft, die bei ihrer Gründung aber bereits auf dem Erfahrungsschatz einer erfolgreichen fünfundzwanzigjährigen arteFakt-Geschichte der Solidarität von Verbraucher*innen mit Erzeuger*innen beruhte. Erstmals wird jetzt nicht die Solidarität und Unterstützung für die Lösung einer Problemlage der Oliviers benötigt, sondern einer, die sich bei uns ergeben hat. Lassen sie uns versuchen diese Aufgabe gemeinsam anzugehen und Beiträge für eine Minderung der Lagerbestände zu finden. Nach unseren bewährten „1-Euro-Modellen“, bei denen viele kleine Beiträge eine größere Kraft entfalten können, würde das auch hier helfen können. Kein guter Beitrag wäre es allerdings, wenn Sie mit Nachbestellungen für sich mehr Olivenöle in die Vorratskammer stellen wollten, als sie bis zur kommenden neuen Olivenölkampagne im April auch tatsächlich verbrauchen können. Es würde das Problem nur verlagern und sie kämen nicht in den Genuss von Olivenölen der neuen Ernte.
Neue Interessenten gewinnen
Wir sind etwas über 1.000 Mitglieder in der Genossenschaft und viele von Ihnen sind immer schon Botschafter dafür, arteFakt weiter zu empfehlen. Vielleicht können Sie jetzt verstärkt noch einmal Ausschau nach neuen Interessenten für unsere Olivenöle halten, die Advents- oder Weihnachtsgeschenke für Feiern oder Prämien und Gratifikationen für Mitglieder von Vereinen oder Mitarbeiter*innen von Unternehmen zur Weihnachtsfeier oder dem Jahresabschluss brauchen könnten. Fällt Ihnen dazu etwas ein und Sie hätten gern dafür etwas in der Hand, mit dem Sie an Interessenten herantreten können, dann schreiben Sie uns oder rufen an (Email: info@artefakt.eu – 04283.981317), wir haben dafür ein Faltblatt mit vergünstigten Angeboten für neue Interessenten vorbereitet, das wir Ihnen per Post oder digital per Email zukommen lassen können.
Ein erster Olivenanbau in Vogtsburg

Manuel und Daniel Breier, zwei Brüder, entstammen in Vogtsburg einer früheren Winzerfamilie. Die Krise im Weinbau führt dazu, dass einige ihrer verpachteten Rebenflächen jetzt wieder an sie zurückgegeben werden. Da sie den Weinbau nicht wieder aufnehmen wollten, suchten sie nach Ideen einer Verwertung der Flächen, als sie auf uns im ZDF bei der Sendung „plan b“ im letzten Jahr stießen. Eine Anfrage von ihnen an uns, ein nettes Telefonat, ein schnelles und sympathisches Zusammentreffen und das Vorhaben, gemeinsam einen ersten Olivenhain zwischen den Weinreben anzulegen war schnell verabredet. Am ersten Oktoberwochenende war es dann soweit, Christoph Sippel und Sebastian Neese fuhren, mit einigen arte-Fakt Freunden in den Kaiserstuhl und brachten zusammen mit der Familie Breier und ihren Freunden die ersten 140 Olivenbäumchen in die Erde. Ausgewählt waren die italienische Olivensorte Leccino und die griechische Sorte Manaki. Beide Sorten lieben kalte Winter, halten daher auch einige Minusgrade aus und aus beiden Olivensorten lassen sich feinaromatische Olivenöle gewinnen. Mit Christoph Sippel, unserem erfahrenen Olivenölsensoriker, hatten wir uns für diese beiden Sorten entschieden, weil aus ihnen eine sehr schmackhafte Cuvée gewonnen werden kann, die es so nicht auf dem Markt geben wird. Damit wird es ein Produkt, das es weder in Italien noch in Griechenland geben wird. Wegen des vulkanischen Gesteins in der Region haben Manuel und Daniel ihm bereits einen Namen und ein Symbol gegeben – VulkanOil.

Zusammen mit Manuel und Daniel sind wir nicht die Ersten, die im Kaiserstuhl und der Süd-Pfalz einen Olivenanbau auch nördlich der Alpen zu etablieren versuchen. Die Winter waren hier immer schon vergleichsweise mild, was sich mit dem Klimawandel verstetigt. Anders als bei diesen Versuchen setzen wir aber auf eine agroforstwirtschaftliche Ausrichtung der Anlage, die Monokultur der Reben soll jetzt nicht durch eine Monokultur der Olivenbäume ersetzt werden. Die erste Anlage wird daher zunächst erst eine Versuchsfläche, wie wir das bereits auf unserem Olivenhain in Palombaio in Apulien entwickeln. Als erste Maßnahme wurde in die Pflanzgruben für den Bereich der Wurzelenden eine „geimpfte“ Pflanzenkohle beigegeben. Geimpft war die Pflanzenkohle mit der Gärflüssigkeit einer Biogasanlage, die zur Besiedelung der Zellporen der Pflanzenkohle mit Bakterien und Mikroorganismen führt, dem Beginn der Nahrungskette in der Lebenswelt unter der Erde. Es wird spannend werden das Projekt zu verfolgen und wer einmal dort in der Nähe sein wird, sollte nicht verpassen bei der Familie Breier anzuklopfen und sich die Modellanlage zeigen und erklären zu lassen. Wir werden auch weiter darüber berichten.
Förderverein Terra Preta e.V. Hameln
Mit dem als gemeinnützig anerkannten Förderverein ist Conrad länger schon in einem regen Austausch. Ebenso wie wir arbeiten sie an den gleichen Themen und führen neben Projekten in Deutschland auch ein landwirtschaftliches Oliven-Projekt in Koroni auf dem Peloponnes in Griechenland durch. Der Verein hat sich 2021 in Hameln gegründet und versteht sich als Verein zur Förderung der Idee, mit Terra Preta nachhaltigen Einfluss für die Klimaresilienz der Landwirtschaft erreichen zu können. Zu den Olivenöl-Abholtagen hatten wir sie nach Wilstedt eingeladen, um sich den arteFakt-Freunden bekannt zu machen und sich mit ihrer Arbeit vorzustellen. Es hat unsere Kontakte vertieft und Conrad wurde kürzlich auf einer Mitgliederversammlung des Vereins zum zweiten Vorsitzenden gewählt. In Kürze startet ein, für den Verein mit ERASMUS-Mitteln, gefördertes Terra Preta-Projekt, das wir in einer Zusammenarbeit unterstützen und darüber berichten werden.
Europäische Fördergelder akquirieren können
Die Forschung und Entwicklung des Olivenöls zu der heutigen Qualität war über die vielen Jahre finanziell, gegenüber einer jetzt anstehenden Transformation der Olivenlandwirtschaft zur Klimaresilienz und der Wertstoffgewinnung aus Olivenabfällen, vergleichsweise leicht. Geschafft hatten wir das aus eigener Kraft und mit Mitteln aus Kleinspenden und solidarisch fachlicher Hilfe von arteFakt-Freunden. Zum Beginnen kleinerer Projekte dieser neuen Themen hat das zunächst auch weiterhin gereicht, jetzt stoßen wir aber wegen der Komplexität und der damit verbundenen Kostenstruktur langsam an die Grenzen der Entwicklung nur aus eigener Kraft. Ohne die Einwerbung von Fördermitteln aus Programmen der EU werden wir inhaltlich nicht recht vorankommen und auch die derzeitig noch investiven Personalkosten nicht durchhalten können. Ein Consulting Unternehmen, the hive bureau, haben wir beauftragt, für unsere Themen die Förderprogramme der EU durchzusehen und für uns geeignete herauszufiltern. Anfang November werden sie uns die Ergebnisse in einem ersten Workshop vorstellen. Dann beginnen die Herausforderungen, die jeweiligen Bedingungen erfüllen zu können. Wer schon einmal einen EU-Förderantrag gestellt hat, wird verstehen welche Herausforderungen vor uns liegen. Wer uns mit seinem oder ihrem Wissen dabei zur Seite stehen kann, ist herzlich und dankbar willkommen. Wenden Sie sich dann bitte per Email an Sebastian Neese (Email: s.neese@artefakt.eu).
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dirk Nonnenmacher – Jakob Steffens
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