Archive | Aktuelles

Mitglieder-Rundbrief Dezember 2025

Guten Tag liebe Mitglieder,
das kalendarische Jahr neigt sich mit der Adventszeit und den anschließenden Festtagen dem Ende zu, unser Geschäftsjahr weicht allerdings davon ab und endete bereits am 31. Oktober. Im ersten Überblick war es wirtschaftlich ein erfolgreiches Jahr, dass wir mit einem Überschuss abschließen konnten. Mit unserem Steuerberater wird nun noch an der buchhalterischen und steuerfachlichen Feinjustierung gearbeitet, die Ende Januar fertig sein soll, so dass wir die Jahresmitgliederversammlung schon jetzt terminieren können. Sie wird am 28. März 2026 in Bremen, nahe dem Hauptbahnhof im Überseemuseum stattfinden, erneut in hybrider Form, Sie können also analog mit dabei sein oder sich digital zuschalten.

Olivenöle der neuen Ernte schon früh verfügbar

Die klimatischen Veränderungen lassen die Oliven erneut früher reifen als wir es in der Vergangenheit gewohnt waren. Das einmal konzipierte Kampagnenprinzip mit einem gemeinsamen Start aller Oliven­öle der neuen Ernte funktioniert daher immer weniger. Mit dem Olivenöl No.2 von Sizilien, dem Olivenöl special Carolea aus Apulien und dem Olivenöl No.11 grün aus Katalonien sind bereits die ersten Olivenöle der neuen Ernte im Shop, und im Januar werden weitere folgen. Den Start der Olivenölkampagne, der traditionell mit der Aussendung der Frühjahrs-Auskünfte Mitte März erfolgt, werden wir noch beibehalten, werden aber keine Olivenöle, die uns schon vorher erreichen, bis dahin zurückzuhalten. Mit neuen Ideen werden wir für die kommenden Jahre auf die veränderte Situation reagieren, nehmen hierfür Anregungen gerne an und berichten dann in den Herbst-Auskünften über zukünftige Neuerungen.

Weitgehend stabile Preise für die neue Ernte

In Italien und Spanien sind größere Ernteeinbußen wie im letzten Jahr ausgeblieben, so dass die allgemein für den Markt verfügbare Olivenölmenge die Preise stabilisiert. Noch reicht die Menge aber nicht zur Befriedigung der früheren allgemeinen Marktnachfrage, so dass das Preisniveau insgesamt weiterhin hoch bleibt. Auch unsere Partner-Oliviers halten ihre Preise stabil, so dass wir unsere Preise, bis auf kleinere Korrekturen, in der neuen Kampagne unverändert belassen können.
Für unsere griechischen Oliviers waren die Bedingungen leider weniger erfreulich. Die Familie Fronimakis auf Kreta musste mit einer Feuerbrunst im Sommer, die auch in ihren Canyon eindrang, bereits den Verlust von ca. 300 Olivenbäumen hinnehmen. Eine lange anhaltende Trockenheit, die bis hinein in die Erntezeit reichte, ließ die Oliven dann nur sehr wenig Olivenöl ausbilden, so dass ihre Ernte nur eine Minimalmenge an Olivenöl hervorbringen wird.
Die Kooperative Eleonas auf dem südlichen Peloponnes hatte mit ihrer geografischen Nische des Hochplateaus in den Bergen erneut weniger Schwierigkeiten mit dem Klima. Viele Olivenbäume konnten sie dann aber trotzdem nicht ernten, weil sich in den Oliven ab der Frühreife recht schnell von innen her eine Fäulnis bildete. Noch forschen wir nach der Ursache, in jedem Fall ist es ein herber Verlust vom mehr als 50% der erwarteten Ernte. Für die Kooperative kommt das zur Unzeit, errichtet und finanziert sie doch gerade eine eigene Olivenmühle.

Bei einem anderen beliebten Produkt, den fettfrei gerösteten Haselnüssen von Josep M. Mallafré aus Katalonien, sind die Preise durch die Decke geschossen. Wie bereits mehrfach den Medien zu entnehmen war, ist es weltweit zu einer drastischen Missernte von Haselnüssen gekommen, was die Preise fast verdoppeln ließ. Das erreichte auch uns, so dass wir jetzt eigentlich eine Goldschleife um das Glas mit Haselnüssen binden müssten. Die Freunde und Freundinnen dieser leckeren Haselnüsse werden sie in diesem Jahr wohl nur einzeln und mit Bedacht genießen können.

2026 wird arteFakt 30 Jahre alt

1996 starteten wir in Berlin mit dem ersten Angebot von eintausend 1 Liter-Kanistern eines Olivenöls aus Ligurien. Man konnte nur ein Mal im Jahr einen 1 Liter-Kanister bestellen und musste, wenn dieser verbraucht war, ein Jahr auf die nächste Ernte warten. In den ersten drei Jahren war arteFakt als Forschungsprojekt konzipiert und erst 1999 mit der Gründung der GmbH dann juristisch ein Handelsunter­nehmen. Im neuen Jahr blicken wir auf die Gründungsjahre zurück und erzählen davon, auch warum man im ersten Jahr nur einen 1 Liter-Kanister erwerben konnte. Vielleicht waren Sie zu dieser Zeit schon mit dabei, dann schreiben Sie uns gerne Ihre Erinnerungen.

Zum Vormerken:
28. Olivenöl-Abholtage am Sonnabend und Sonntag,
den 25. und 26. April 2026 in Wilstedt

FuE Agroforstwirtschaft Palombaio

Maria Dahm, Studentin an der Hochschule für Nachhaltigkeit in Eberswalde, absolviert derzeit ein Auslandspraktikum in Palombaio bei der dortigen NGO für Permakultur und ­Agroforstwirtschaft und engagiert sich währen dieser Zeit auch für unsere dortigen Projekte. Sie unterstützt hier Palma Iacobelli aus Bari, die in den Niederlanden Agroforstwirtschaft studiert hatte und mit uns schon länger zusammenarbeitet. Zu sehen sind sie hier bei der Bearbeitung unserer beiden Agroforst-Versuchsflächen für die neue Vegetationsperiode. Es geht dabei um eine veränderte Landwirtschaft, die mit 30 bis 40% weniger Wasser auskommen können soll und deren Böden das Wasser lange halten können. Unter der Erde wird das durch einen Humusaufbau und mit der Pflanzenkohle zur Aktivierung des Bodenlebens erreicht und über der Erde durch einen diversifizierte und sich synergetisch ergänzende Pflanzengemeinschaft, die den Boden bedeckt sowie die Humusbildung, als auch die Entwicklung nützlicher ­Insekten und bodennaher Kleintiere befördert und damit Einfluss auf das Mikroklima nehmen kann.

Eine der beiden Flächen haben wir jetzt „gedopt“ und zwar mit Humus aus der Regenwurmzucht von Davide Colasanto aus Ruvo und mit aktivierter Pflanzenkohle aus dem Projekt bei der Cooperative ­Emanuel De Deo in Minervino. Hier kommt der Prototyp der Carbon Box von Walter Danner (Mitglied unserer Genossenschaft) aus dem Entwicklungszentrum seines Unternehmens Snow Leopard Projects zur Herstellung von Pflanzenkohle aus dem Schnitt der Olivenbäume zum Einsatz. Auf beiden Flächen wurden als ökonomisch verwertbare Nutzpflanzen Fave-Bohnen ausgesät. Der satte Regen der letzten Wochen lässt die Bohnen bereits erkennbar gut sprießen. Alle Versuche dienen hier der Vorbereitung eines größeren Klimaprojektes, für das wir zusammen mit unseren Partner*innen in Apulien einen Antrag für Gelder aus Fördertöpfen der EU vorbereiten.

In den letzten Tagen kam es zum Durchzug eines Wolkenfeldes, dass in wenigen Stunden immense Wassermassen abregnen ließ und zu Sturzbächen führte. Palma schaut sich hier die weggespülte Mauer und der Abbruchkante zum Nachbar-Olivenhain an, die hunderte von Jahren gehalten hatte und sie jetzt an einem Tag weggespült und eine Auswaschung des Bodens zu einem kleinen See mit einer Tiefe von einem Meter fünfzig hinterlassen hat. Das ist jetzt die Realität. Sehr lange und regenfreie Sommermonate und in der Winterzeit Regen zumeist nur als Wolkenbrüche. Hierauf müssen wir Antworten finden. Dank der Spendenbereitschaft für den 1 Euro-Klimataler stehen uns die Mittel für erste kleinere Versuchsprojekte zur Verfügung. Ebenso hilfreich ist dabei die Bereitschaft von Mitgliedern und arteFakt-Freunden aus dem Kundenkreis, diese Mittel in praktischer Arbeit vor Ort auch einzusetzen.

Nun wünschen wir Ihnen eine nicht zu stressige Advents- und Vorbereitungszeit der Festtage und dann einen geruhsamen Übergang in das neue Jahr. Für uns wird es bis einschließlich dem 19. Dezember, dem letzten Tag der Aussendung von Paketen, noch recht angespannt bleiben und wir verabschieden uns dann zum Erholen und Schöpfen neuer Kräfte bis zum 3. Januar in die Betriebsferien und sind ab dem 6. Januar wieder für Sie da.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
arteFakt-Team

Rund um die Olive – Ein Projekttag mit der 9. Klasse der GSH St. Augustin, Niederpleis

Anfang des Jahres erreichte uns eine E-Mail von Ece Ünlü, Klassenlehrerin einer 9. Klasse an der Gemeinschaftshauptschule in St. Augustin. Sie hatte von ihrer Schulklasse einen Olivenbaum zum Geburtstag geschenkt bekommen. Dieses Geschenk inspirierte sie, die „Olive“ zu nutzen, um das Gemeinschaftsgefühl ihrer Klasse zu stärken. Aus dieser Idee entstand ihre „Olivenklasse“: Selbstgebastelte Oliven mit schönen Sinnsprüchen, Plakate über Olivenöl in Europa und kleine kreative Projekte rund um die Olive zierten bald den Klassenraum.
Wir finden es großartig, wenn sich Menschen wie Ece mit so viel Freude & Leidenschaft für eine bessere Gemeinschaft einsetzen und wollten ihr und ihrer Klasse daher eine besondere Freude machen. So entstand der Plan für einen gemeinsamen Projekttag „Rund um die Olive“ – ein Tag, der informiert, inspiriert und zusammenschweißt. Sebastian aus unserem Team begleitete die Klasse und berichtet hier von seinen Eindrücken:

Ein Tag zum Mitmachen:
Lernen mit allen Sinnen

Mir war von Anfang an wichtig, dass die Schüler nicht nur zuhören, sondern selbst aktiv werden. Die besten Erlebnisse (und die lange im Gedächtnis bleiben) sind die, bei denen man mit den Händen arbeitet, Dinge ausprobiert, schmeckt und riecht, also mit seinen Sinnen arbeitet. Deshalb bestand unser Projekttag aus fünf Stationen:

· Zwei Olivenbäume im Schulgarten pflanzen
· Olivenölverkostung
· Olivenverkostung
· Pesto und Mayonnaise selbst herstellen
· Pizza backen

Olivenbäume pflanzen:
Ein Zeichen für die Zukunft

Den Auftakt machte die Pflanzung von zwei Olivenbäumen im Schulgarten. Gemeinsam suchten wir einen sonnigen, windgeschützten Platz und mischten Regenwurmkompost mit Pflanzenkohle, um eine Art „Terra Preta“ herzustellen. Diese besonders nährstoffreiche Erde, inspiriert von der „Schwarzen Erde“ im Amazonasgebiet, sorgt für beste Wachstumsbedingungen. Glücklicherweise war der Boden bereits schön lehmhaltig – ein wichtiger Faktor für die Olivenbäume.
Während einige mit Begeisterung zur Schaufel griffen, beobachteten andere das Geschehen lieber von der Seite. Beide Gruppen wurden eingebunden: Ich verknüpfte die Pflanzung der Olivenbäume unter Hinzunahme der Terra Preta mit Berichten aus unseren aktuellen Agroforst-Projekten.

Dabei zeigte ich auf, wie sich die Folgen des Klimawandels für unsere Oliviers bereits seit geraumer Zeit bemerkbar machen und erklärte, warum Agroforstsysteme in Kombination mit Terra Preta eine DER Klimawandel-Anpassungs-Strategien in der Landwirtschaft darstellen.

Olivenöl und Oliven: Mit allen Sinnen entdecken

In der schuleigenen Küche ging es dann an die Olivenölverkostung. Ziel war es, Unterschiede bewusst wahrzunehmen: Unsere No.11 von Josep Maria aus Katalonien gegen ein Standard-Bio-Öl aus dem Supermarkt. Der Unterschied war für alle sofort schmeckbar – unsere No.11 wurde klar zum Favoriten gewählt.
Beim anschließenden Gespräch über arteFakt, unsere Werte und unsere Arbeitsweise habe ich mich sehr gefreut, wie interessiert die Kinder genau an diesem Punkt zugehört haben und was für tolle Nachfragen sich spontan ergeben haben. Genau dieser Austausch ist es, der solche Erlebnisse für mich besonders macht.
Bei der Olivenverkostung gab es dann noch eine kleine Überraschung: Die Sorten „Farga“ und „Arbequina“ fanden zwar durchaus Anklang, doch am Ende lagen die klassischen Tafeloliven, wie unsere „La Bella“, deutlich vorn. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie sehr unsere Gewohnheiten unseren Geschmack und unsere persönlichen Vorlieben beeinflussen.

Selbstgemacht schmeckt’s am besten:
Pesto und Mayo

Danach wurde es praktisch: In kleinen Gruppen bereiteten die Schüler ein klassisches Petersilien-Pesto und frische Mayonnaise zu. Für viele war es das erste Mal, dass sie solche Dinge selbst herstellten. Die Begeisterung war groß, vor allem als klar wurde, wie einfach es ist, mit wenigen Zutaten etwas richtig Gutes zu zaubern – und wie viel besser es schmeckt als die fertigen Produkte aus dem Supermarkt.

Der krönende Abschluss: Pizza für alle

Als Abschluss durften alle ihren eigenen Pizzateig belegen. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Manche verfeinerten ihre Pizza später sogar mit dem frisch hergestellten Pesto. Der Duft von frisch gebackener Pizza und das gemeinsame Genießen bildeten den perfekten Ausklang für einen rundum gelungenen Tag.
Zum Abschluss erhielten alle eine Urkunde zur erfolgreichen Teilnahme am Projekttag „Rund um die Olive“. Ece und ihre Klasse haben sich riesig darüber gefreut.

Ein Tag, der in Erinnerung bleibt

Für uns als arteFakt war dieser Projekttag mehr als nur eine nette Geste. Es ging darum, junge Menschen für gutes Essen, nachhaltige Landwirtschaft und gemeinschaftliches Handeln zu begeistern. Es ist schön zu sehen, dass solche Erlebnisse bleiben – vielleicht nicht nur als Erinnerung, sondern auch als Anstoß für neue Ideen und Projekte.
Wir danken Ece Ünlü und ihrer Klasse und wünschen den frisch gepflanzten Olivenbäumen ein langes, gesundes Leben im Schulgarten der GSH.

Kurznachricht zu den Bränden bei der Familie Fronimakis

(16.07.2025) Ioannis, Maria und Niko sind unendlich dankbar dafür, dass wir so schnell an ihre Seite getretenen sind und ihnen unsere Hilfe angeboten haben. Sie sind noch tief geschockt und auch erschöpft von den Tagen des Brandes und schauen mit großer Traurigkeit auf die 300 verbrannten Olivenbäume, die vierzig Jahre und mehr brauchen werden, um wieder ein ertragreicher Olivenhain zu werden.

Die Familie Fronimakis in ihrem Olivenhain vor den Waldbränden

Nikos und Ioannis konnten mit einigen Improvisationen die Wasserzufuhr zu den intakt gebliebenen Olivenhainen wieder herstellen, sie können nun wieder bewässert werden, so dass hier im Moment keine weitere Hilfe benötigt wird. Größere Schäden gibt es an der örtlichen Wasserstation, für die die Kommune zuständig ist und erste Arbeiten sind von ihr dazu bereits aufgenommen worden.

Die geschädigten Olivenbäume werden bis zum Winter als Brandruinen täglich sichtbares Zeugnis der Katastrophe bleiben. In der jetzigen heißen Sommerzeit lässt sich neues nicht in Angriff nehmen, daher macht es noch keinen Sinn, hier jetzt die Wasserversorgung wieder zu erneuern.

Die Familie möchte jetzt erst einmal wieder etwas zur Ruhe kommen, den Schock und die erlebte Katastrophe verarbeiten, bevor sie darüber nachdenken können, wie es mit der Erneuerung der Haine weitergehen soll. Das werden sie dann nicht alleine machen müssen, wir werden als Gemeinschaft dafür an ihrer Seite bleiben.

Möchten Sie ihnen schon jetzt eine Geste der Aufmunterung zukommen lassen, dann bestellen Sie für sich oder zum Verschenken mal ihr Olivenöl No.29, wenn Sie es nicht längst schon in Ihrer Küche zu stehen haben.