Mitglieder-Rundbrief Februar 2026

Guten Tag liebe Mitglieder,

wir wünschen Ihnen, gut und mit Freude in das neue Jahr gekommen zu sein, und dass es sich als ein Jahr mit vielen schönen Erlebnissen für Sie fortsetzt. Nach unserer traditionellen Betriebspause zwischen den Feiertagen und der ersten Januarwoche sind wir alle vom Vorweihnachtsstress gut erholt und gutgelaunt wieder zurückgekommen und arbeiten bereits intensiv am Start der neuen Olivenöl­kampagne, den Vorbereitungen der Generalversammlung Mitte und Ende März und den Olivenöl-Abholtagen Ende April. Und es gibt etwas zu feiern …

30 Jahre arteFakt

In diesem Jahr blicken wir auf 30 Jahre arteFakt zurück, das wird uns als ein schönes Jubiläum durch das Jahr begleiten. 30 Jahre: das bedeutet, dass damit auch etliche Mitarbeiter*innen ihre langjährige Zugehörigkeit zu arteFakt begehen und sich bald in die Rente verabschieden werden oder es schon getan haben. So gehen wir in das Jubiläumsjahr auch mit einer neuen, jüngeren Generation, die sich aufmacht die nächsten 30 Jahre prägen zu wollen, und in diesem Jahr vieles zum ersten Mal erleben werden. Nicht alle „Alten“ sind schon weg, dennoch wird vielleicht nicht alles gleich wie gewohnt klappen und wir werden sie vielleicht auch das eine oder andere Mal als Mitglieder um Rat und Mithilfe bitten.

Generationenwechsel

Mit dem Generationenwechsel werden Neuerungen einhergehen, u.a. der „digitalen Welt“ die schneller als in den zurückliegenden Jahren zur Geltung kommen wird. Wir werden dabei darauf achten müssen, dass wichtige Elemente des Zusammenseins wie fühlen, riechen und schmecken nicht in den Hinter­grund geraten und weiterhin analog erlebbar bleiben.
Bei der Gründung von arteFakt bezogen wir uns auf das Modell des „Sozialen Organismus“ von Joseph Beuys. Mit dem Begriff der Sozialen ­Plastik erweiterte er die Kunst und das künstlerische Schaffen um den Wärmebegriff. Sein geplantes Projekt der Gründung eines Unternehmens auf der Documenta in Kassel als Form der Kunst konnte er durch seinen Tod nicht mehr schaffen. Geblieben sind davon Fragmente seiner Vorarbeiten, wie „Kunst gleich Kapital“, „Wärmezeitmaschine in der Ökonomie“ und „Die Zukunft gehört dem Wärmetausch“. Blicken wir zurück, hat das unsere Unternehmensentwicklung und -kultur stark geprägt. Es hat uns viel miteinander erleben lassen und gemeinsam zu Erfolgen geführt.
Jetzt werden die Herausforderungen nicht nur die der digitalen Veränderungen sein, es gilt dabei alle mitzunehmen und den Gründungsidealen des Miteinander und der Gemeinschaft auch weiterhin einen sinnlichen Raum des Wärmetauschs zu ermöglichen.
Wer den direkten und persönlichen Kontakt zu arteFakt sucht, soll das weiterhin können und uns dann persönlich, und nicht als KI-Roboter erreichen. Jetzt im März werden Sie wohl die letzten postalischen „Auskünfte“ in Printform erreichen. Für die Herbst-Auskünfte planen wir sie dann erstmals in einem digitalen Format. Mit Ihnen zusammen werden wir jedoch auch Übergangswege suchen, die beiden Vorlieben, die sich vielfach entlang der Generationen bewegen, gerecht werden können.

Klima, Klimaveränderungen und Olivenernte

Mit ihren Folgen für die Olivenlandwirtschaft und damit für die Olivenöle bleiben die Veränderungen des Klimas an der Spitze der Agenda der Herausforderungen. Mit der neuen Ernte sind es in diesem Jahr unsere griechischen Oliviers, die erhebliche Ernteeinbußen wegen langer Trockenheit und zu hohen Temperaturen erlitten haben. Nach den Ernteeinbrüchen im letzten Jahr bei unseren Oliviers in Italien konnten diese jetzt im südlichen Italien eine gute Ernte verzeichnen. Die Oliviers in Mittel und Ober­italien klagten über zu viel Wasser, was auch zu vielen Überschwemmungen führte. Die hohe Feuchtigkeit, gepaart mit der Sommerwärme, ergab dann paradiesische Bedingungen für die frühe und massenhafte Vermehrung von Schadinsekten. Viele Oliven fielen ihnen zum Opfer, minderten die ­Olivenmenge und die Qualität.
Wie im südlichen Italien konnten auch unsere spanischen Oliviers eine gute Ernte verzeichnen. Damit ergibt sich insgesamt eine relative Stabilisierung der Angebote gegenüber den letzten Jahren, was es auch unseren Oliviers ermöglichte die Preise stabil zu halten, weshalb auch wir im Wesentlichen keine Preise erhöhen.

Olivenöl-Test und allgemeine Marktlage

Bezogen auf den allgemeinen Markt gelang es erneut nicht, die Nachfrage mit dem Angebot an Olivenöl in Einklang zu bringen. Das allgemeine Preisniveau bleibt daher gegenüber früheren Jahren weiterhin im hohen Bereich. Das Ergebnis des gerade erschienen neuen Olivenöl-Tests der Stiftung Warentest ist verheerend ausgefallen. Kein Olivenöl erreichte die Note eins. Nur vier die Note Zwei, und diese lagen im Preisbereich zwischen 14,00 und 54,00 Euro pro Liter. Acht Olivenöle fielen wegen schlechten Geschmacks und enthaltenen Schadstoffen mit der Note Mangelhaft durch. Alle anderen bewerteten Olivenöle kamen über ein Mittelmaß in der Qualität nicht hinaus.
Eine Ökotrophologin äußerte sich im Interview schockiert, weil die Bezeichnung nativ und Nativ Extra als höchste Güteklasse kein verlässlicher Hinweis mehr auf ein hochwertiges Olivenöl ist. Getestet wurden ausschließlich Olivenöle dieser beiden Güteklassen, eingekauft in Supermarktketten und ­Discountern. Deshalb werden unsere Olivenöle nicht ausgewählt und mit in die Tests einbezogen.
Uns haben diese Ergebnisse eher nicht überrascht und auch nicht schockiert, haben wir doch deshalb vor 30 Jahren arteFakt gegründet. Damals und bis vor einigen Jahren überstieg im allgemeinen Markt das jährliche Angebot an Olivenölen noch die Nachfrage. Das war einer der Gründe für die niedrigen Preise, und den großen Playern der Supermärkte und Discounter stand noch eine größere Menge an Olivenölpartien zur Qualitätsauswahl zur Verfügung. Lange schon ist es bekannt, dass wegen der Olivenöltests durch die beiden Verbraucher-Magazine Stiftung Warentest und Öko-Test, die es in keinem der anderen europäischen Länder in vergleichbarer Weise gibt, die besseren Partien immer nach Deutschland gehen. Mit den Folgen des Klimawandels ist diese Überproduktion des Angebots seit einigen Jahren verloren gegangen, die Preise verdoppelten sich dadurch und die Auswahl für „akzeptable“ Qualitäten ist drastisch gesunken. So konnte z.B. Aldi mit seinen Olivenölen im letzten Jahr bei Stiftung Warentest noch punkten, jetzt bekamen sie die Note Mangelhaft.

Unsere Olivenölpässe

Einmal mehr hat uns das Testergebnis gezeigt, warum unser Olivenölpass so wertvoll für Olivenöl-Genussfreunde ist und keiner uns sie nachmacht. Wir leisten uns dafür ebenso umfangreiche und aufwendige lebensmittelchemische Laboruntersuchungen wie die großen Player der Supermarktketten und Discounter. Diese nutzen die Ergebnisse allerdings, um damit Mischungen aus EU Anbaugebieten so herstellen zu lassen, dass sie nicht unter die Mindestanforderungen der EU-Olivenölverordnung geraten. Die Kosten dieser Laboruntersuchungen fordern uns ökonomisch stärker als diese heraus, weil wir das für unsere sehr viel kleineren Partien untersuchen lassen. Mit diesen Untersuchungen und den jähr­lichen Weiterbildungstreffen wollten wir aber schon früh den Oliviers helfen, eine neue Olivenölqualität zu entwickeln. „Olivenöl aus der Fettecke holen“ nannten wird das vor 30 Jahren. Blicken wir zurück, so ist uns das gemeinsam gelungen und dokumentiert sich für alle transparent in den Olivenölpässen.

1-Euro-Klimataler und 3 in 1-Produkte zum Erhalt der Biodiversität

Trotz aller über die Jahre erlangten Perfektion und Routine machen es die Einflüsse des Klimawandels jetzt schwerer als früher, jedes Jahr die bereits erreichte höchste Qualität erneut zu erreichen. Wer mit der Natur arbeitet, hatte das Problem der Schwankungen schon immer. Neu ist die zeitliche Nähe der Wiederholungen von drastischen Klimaeinflüssen. Hierfür wird es keine schnellen Lösungen zur Abhilfe geben und wird noch längere Zeit des Erforschens und Experimentierens erfordern. Neben dem zähen Willen und der Beharrlichkeit diese langen Wege zu gehen, braucht es die Gemeinschaft zur Unterstützung, zum Mut machen und zur Finanzierung. Mit unserem Modell, mit nur kleinen Beträgen und Beiträgen, die aber von vielen geteilt und geleistet werden, haben wir in 30 Jahren auf diese Weise vieles erfolgreich meistern können.
Lassen sie uns weiterhin gemeinsam als Ziel festhalten, dass am Ende des Jubiläums­jahres so viele 1-Euro-Klimataler zusammengekommen sind, dass wir damit das ­bestehende Mikroklima-Projekt stärken, und dann vielleicht ein neues, ein Jubiläums­projekt damit beginnen können.

Mit herzlichen und genossenschaftlichen Grüßen
Ihr
arteFakt-Team

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